Alles zum Thema Nachhaltigkeit mit dem besonderen Interesse für das Einrichten mit Küchen und Möbeln aus dem Holz der Hersbrucker Alb und allem was zur Lebensqualität des Wohnens dazu gehört. Die Möbelmacher aus Unterkrumbach bei Hersbruck wollen mit dem Dialog in diesem Weblog von Kunden, Freunden und Fremden lernen und das Bewusstsein für regionale Wirtschaftskreisläufe und verantwortliches Handeln stärken.
Alles zum Thema Nachhaltigkeit mit dem besonderen Interesse für das Einrichten mit Küchen und Möbeln aus dem Holz der Hersbrucker Alb und allem was zur Lebensqualität des Wohnens dazu gehört. Die Möbelmacher aus Unterkrumbach bei Hersbruck wollen mit dem Dialog in diesem Weblog von Kunden, Freunden und Fremden lernen und das Bewusstsein für regionale Wirtschaftskreisläufe und verantwortliches Handeln stärken. Kontakt via Email
Gerne weisen wir darauf hin, dass der von Film SLOW von Sascha Seifert, heute in den Kinos anläuft. Unter anderem auch in Nürnberg in der Meisengeige!
SLOW ist ein Kino-Film, der Naturerlebnis, Entschleunigung, Meditation, gelebte Achtsamkeit und Nachhaltigkeit auf eindrucksvolle Art für die Dauer eines Schneckentages miteinander verbindet. Vor unserer eigenen Haustüre startet eine langsame Reise in die Welt der Zeitfülle, die uns staunen und innehalten lässt.
Für das Team um SLOW ist die Frage nach Zeit und Geschwindigkeit ein zentraler Schlüssel zum fairen und zukunftsfähigen Umgang mit sich selbst und unserer (Um-) Welt.
SLOW versteht sich als kontemplativer Natur-Film, als filmische Meditation und Teil der weltweiten SLOW-Bewegung.
Das Besondere an SLOW:
Natur-Abenteuer vor unserer Haustüre!
Und der Film ist ein nachhaltiger Film wie sonst kaum ein Dokumentarfilm.
SLOW wurde komplett im Stuttgarter Stadtwald, also direkt vor meiner Büro bzw. Wohnungs-Tür gedreht.
Auch die gesamte Postproduktion fand in unserer Nachbarschaft statt.
Denn: Kein Reise-Aufwand und trotzdem eine tolle Story ist die Beste Kombination aus CO2-Emissions-Vermeidung und Filme-Machen :-)
Wir bringen SLOW am 23. Mai 2013 in Deutschland in die Kinos.
Die Zusammenarbeit des Dehnberger Hof Theaters mit den
Möbelmachern ist eine Geschichte von Freundschaften. Viola Riedelbauch ist eine
Schulfreundin von herwig Danzer, der im Jahr 1988 zusammen mit seinem Kompagnon
Gunther Münzenberg die Möbelmacher als ökologische Schreinerei in Hersbruck gründete.
Im Jahr 1997 errichteten sie ihr neues Firmengebäude in
Unterkrumbach neben Hersbruck und es gelang ihnen, die gesamte Fertigung auf das Holz der Region umzustellen. Meist verwirklichen sie dort Küchen,
Schlaf- und Wohnzimmer, aber auch mal Büros, Hotels oder die Bühnenverkleidung
im Dehnberger Hof Theater (Bild 1). Im Frühjahr 2000 schlug Wolfgang Riedelbauch herwig
Danzer als Vorstandsmitglied des Theatervereins vor, nicht zuletzt um das regionale
Netzwerk der Möbelmacher zu nutzen:
vom 1998 in Unterkrumbach entstandenen „Tag
der Regionen,“ über gemeinsame Auftritte auf der Consumenta oder die Kochshows
mit dem Bayerischen Fernsehen, welche die Gastronomie in Dehnberg mit „Heimat
aufm Teller“ in Verbindung brachten – es war stets eine fruchtbare und
vertrauensvolle Zusammenarbeit.
„Heimat UNTER dem Teller“ können Theatergäste seit
einigen Monaten im Aquarium an den samtweichen Holzoberflächen der Tische aus
heimischen Ahorn fühlen.
Auch kommunikativ ist das Theater mit den Einrichtern eng verbunden:
im Programmheft liest man von den Möbelmachern, im Jahrbuch der Möbelmacher
oder auf der Homepage und im Nachhaltigkeitsblog findet man immer Nachrichten
vom Theater – auch von den Jubiläen.
Jubiläumstage der Möbelmacher
Die Jubiläumstage zum 25-jährigen sind vom 14. bis zum 16.
Juni und bedeuten drei Tage der total offenen Tür in Ausstellung und Werkstatt
und einfachen Jubiläumsmöbeln, die speziell für die immer öfter nachfragenden
Kinder von Kunden entworfen wurden. Für den Freitag Abend hat Ute Danzer den faszinierenden
Literaturkritiker Denis Scheck der ARD-Sendung „Druckfrisch“ engagiert, am
Samstag Abend berichtet der Abenteurer Holger Heuber von Expeditionen und der
gemeinsamen extremsportlichen Vergangenheit mit den Möbelmachern. Am Sonntag
Nachmittag spielt das Collegium Musicum Hersbruck Donizetti, Händel, Mozart und
Haydn. Das Orchester unter der Leitung von Susanne Pflaumer hat mit den
Möbelmachern im Jahr 1997 die Idee der Unterkrumbacher Werkstatt-Tage und der
kommentierten Konzerte entwickelt, dieses Konzert wird der krönende Abschluss
der Jubiläumstage.
Endlich ein Seelenwärmer in Form von eineinhalb Stunden Sonnenschein! Es ist 10 Uhr. Auf der Hochebene
bei Heuchling pfeift der Wind. Wir lassen Bürtel aus und zweigen gleich bei der ersten Gelegenheit rechts ab, den Hecken entlang und rein
in den schützenden Wald. Es ist gut zu gehen, der Schnee gefroren, ja, aber nicht eisig. Stille ringsum. Wir haben den ganzen Winter lang kein Wild
gesehen: Rehe, Hasen, Fuchs blieben versteckt, und wir vermissen sie. Die Anhöhe ist erreicht, ein Blick zurück lässt uns die vielen Täler und Höhen im Osten
erahnen. Vor dem Anger angelangt gibt es noch ein frugales Picknick, vom letzten Sonnenstrahl begleitet und in unmittelbarer Nähe eines perfekt in
den Stamm einge - passten Nistkastens. Jedesmal wenn ich beim Heuchlinger Anger ankomme begeistert mich der Baum auf der Ostseite. Er ist hoch,
seine unteren Äste haben Wellenform, er streckt sich gegen den Himmel, er steht seit Ewigkeiten hier und wird es wohl weiterhin tun. Die jedes Jahr sehnlichst erwarteten Kuhschellen brauchen noch einige Wochen bis zur Blüte. Unser Weg führt an den
Angerweiden vorbei. Ein leuchtendes Rot vom gepflügten Acker am Waldrand macht uns neugierig. Die Erklärung kommt vom Fachmann Rainer Wölfel,
Naturschutz Zentrum Wenglein Park: "Hier wurde wohl eine Tonschicht angerissen. Die rote Farbe kommt vom hohen Eisengehalt, auch die leichte
Ockerfarbe ist ein Gemisch von Eisen, Kalk und Quarz. Im Bereich der Hüll wurde früher auch Ocker abgebaut." Zurück zum Anger: Ich habe im Oktober 2007 einen damals noch
aktiven Baum fotografiert und bin nun neugierig, ob es ihn noch gibt. Hier die Gegenüberstellung: vor fünfeinhalb Jahren trug er noch Äste, nun ist er wohl am Ende seines aktiven Baumlebens angekommen.
Ich erkläre mich für den objektiven Bericht über das Buch als befangen, weil ich Christian Schüle schon im Jahr 2006 kennen lernen durfte, als er für sein dossier in der DIE ZEIT "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" auch in Hersbruck recherchierte.
Schon damals waren wir von seinem Wissen, seiner Genauigkeit und seiner Ernsthaftigkeit bei allen Themen so fasziniert, dass wir ihn spontan zu einer Lesung aus seinem Buch "Die Deutschlandvermessung" eingeladen haben.
Die Deutschlandvermessung in Unterkrumbach
Auch diese Veranstaltung war beeindruckend, allerdings muss ich zugeben, dass ich mir mit Roland Zimmermann vom Bayerischen Rundfunk Verstärkung holte, weil ich mir das Thema der Deutschlandvermessung auch auf die Bedürfnisse der Cittaslow Hersbruck heruntergebrochen und in manchen Passagen auch "übersetzt" wünschte. Was Moderator Roland und Christian dann gemeinsam ausgesprochen verständlich und sogar unterhaltsam gelang (was Anselm Stieber damals im Nachhaltigkeitsblog so beschrieb).
"Hinter seinen tiefgründigen, teils spitzzüngigen, immer
plastischen, um Genauigkeit bemühten Formulierungen verbirgt sich eine Zustandsanalyse unserer Gesellschaft
aus dem Erfahrungsbereich eines Mitdreißigers."
Das Ende unserer Tage
Am letzten Samstag bringt Ute endlich - es erschien schon im Februar 2012 - seinen Roman "Das Ende unserer Tage" aus der Buchhandlung und irgendwie habe ich dank einer Terminabsage (leider) schon um 14:30 im Garten bei traumhaften Wetter mit dem Lesen beginnen können, und war um 1:30 nachts mit den 460 Seiten fertig.
"In der ehemals reichen Kaufmannsmetropole Hamburg werden Kirchen in
Eventagenturen umgebaut. Die legendäre Kammfabrik im Süden Hamburgs wird
von chinesischen Investoren übernommen und von Bürokraten abgewickelt.
Skrupellose Manager des Verfalls frönen ihrer Überspanntheit in elitären
Salons, vereinsamte Individualisten suchen nach Sinn und Wert.
Christian Schüle erzählt die Geschichte zweier Männer, die in dieser
Welt treiben und von ihr getrieben werden: Charlie Spengler, ein
gefeuerter Fabrikdirektor, der zur Gallionsfigur einer Arbeiterrebellion
wird. Und JanPhilipp Hertz, ein Jungunternehmer, der auf den
Stoßwellen des Umbruchs dem allgemeinen Verhängnis seiner Stadt
entgegensurft."
Das Buch in nicht ganz leicht zu lesen (auch wenn ich es verschlungen habe), aber es ist von der ersten bis zur letzten Zeile Christian Schüle, so wie wir ihn kennen lernen durften. Deswegen auch diese lange Vorgeschichte über den Zeitartikel mit der Lesung bei uns und die Befangenheit.
Schlechte Kritik in der FAZ
Wer ihn erlebt hat, erkennt schnell, dass der Verriss in der FAZ von Christian Metz unberechtigt ist. Metz phantasiert von einem "neuen Romanstil", der "Event-Literatur" und bezeichnet Schüles arbeitsreiches Gesamtwerk als "perfekte Schreib- und Veröffentlichungsökonomie," verkennt dabei aber völlig, dass sich nicht die letzten paar Veröffentlichungen, sondern eigentlich sein ganzes Schreiben - spätestens seit den "Ichlingen" in der Deutschlandvermessung - mit Moralfragen auseinandersetzt und das auf höchsten Niveau. Da ist der abgeschwächte Weltuntergang im Roman nur eine logische Weiterführung dieser Gedanken und eben kein effektheischendes Kalkül.
Metz beweist schon ein bisschen bösen Willen, wenn er schreibt: "Ja, buchstäblich prophezeit hat er das Ende zwar nicht, aber mit ein
bisschen gutem Willen ließ es sich da hineingeheimnissen."
Im Gegenteil, ich habe Christians Sprache und deren teilweise satirische Überzeichnung in den Dialogen freudig wiedererkannt und so kann ich mich nur wundern, wenn Metz behauptet: "Ihr (das der Protagonisten Anm. d. Red.) dümmliches,
pseudophilosophisches Motivations- und Investmentgeplapper aber nimmt im
Roman einen viel zu großen Raum ein." Im Gegenteil, diese Sprache wird im hier und jetzt nicht mehr selten gesprochen, sie fällt nur leider immer weniger auf. Besonders spannend finde ich die Personalisierung, naja, eher Animalisierung der Schuld, Schüle steckt sie in einen Käfig: Die ausgestopfte rotäugige, marderartige Kreatur wechselt von Mai bis Oktober 13 Mal seinen Besitzer:
"In seiner Gegenwart (der Kreatur in dem Käfig Anm. d. Red.) begannen Versicherungsagenten ihren gewaltbereiten Charakter anzuklagen; Anwälte offenbarten Hassgefühle, Bankvorstände Geltungssucht; Kaufleute gestanden Korruptheit, Unternehmer Menschenverachtung, Journalisten gaben Defätismus zu, Ärzte und Immobilienmakler bekannten sich zu sadistischen Neigungen, Werber kämpften mit grassierender Misanthropie."
Ganz durchschaut habe ich auch nicht das ständige Umbringen von Fahrradkurieren, die sich wohl als Metapher für Freiheit, als Anarchisten, als Outlaws der Stadtstraßen den Hass der Gesellschaft und einzelner Mörder zuzogen. Aber vielleicht ist das in Hamburg - Schüles Wohnort - ja wirklich so, da kann der Unterkrumbacher dann nur staunen.
Der Autor Christian Schüle, 41, entwickelt in seinem Romandebüt "Das
Ende unserer Tage" ein abendländisches Untergangsszenario. Halb Hamburg
ist in chinesischer Unternehmerhand: ehemals traditionelle
Handelshäusern sind zu internationalen "Companies" mutiert -
Gewinnmaximierung unter allen Umständen. Im Club "China White" treffen
sich die Reichen und Schönen der Stadt und geben sich ihrer blinden
Leidenschaft für alles Asiatische hin. Sie trinken Mai Thai, lassen sich
hinter den Ohren massieren und fädeln nebenher die nächsten großen
Deals ein. In der "Revitalistischen Gesellschaft", einem Think Tank im
Stadtviertel St. Georg, tauschen sich Manager darüber aus, wie sie die
Menschen zu noch größerer Selbststeigerung antreiben können.
All
diese Titel und Aufgaben sind nur schwer zu verstehen und machen die
Lektüre bisweilen sperrig, aber sie gehören zur ästhetischen Strategie
dieses Romans, denn sie evozieren ein diffuses Gefühl für die Absurdität
dieser Seelenfänger-Marktwirtschaft.
Mit "Das Ende unsere Tage" ist Christian Schüle ein
überzeugend-überzeichnetes Gesellschaftsporträt gelungen. Er nähert sich
den dekadenten Machenschaften der Wirtschaftsmacher, stellt sie aber
nicht als Alleinschuldige dar: Hinter den gefühlskalten Fassaden zeigt
Schüle ihre Nöte, ihre Suche nach Orientierung, nach Menschennähe.
Noch anschaulicher ist die Buchbesprechung von Denis Scheck im NDR (der kommt zu uns übrigens am 14. Juni nach Unterkrumbach, rechtzeitig Karten sichern, denn hier
schließt sich dann der Kreis).
"Am Ende formiert Charly Spengler von der Kammfabrik die Massen hinter
sich. Harburg wird zur Trutzburg: Hier wird gestreikt, der Stadtteil
vermüllt. Ein Marsch über die Elbe soll es richten. Ein Kampf für die
gute, alte Zeit, eine neue Menschlichkeit. Dabei ist es unerträglich
heiß - bis der große Regen kommt und eine Stadt unter Wasser steht. Ein
großes Ende für einen großen, empfehlenswerten Roman."
Ich kann also allen Menschen empfehlen - besonders denen, die die Cittaslow-Veranstaltung mit Christian Schüle in Unterkrumbach miterlebt haben - sich mit diesem Buch auseinander zu setzen, denn auch hier geht es um genau jene Entwicklungen, gegen die eine Cittaslow (eine Stadt in der Vereinigung der lebenswerten Städte) Stellung bezieht. Trends, die sie am liebsten umkehren möchte, oder wenigstens im eigenen Umfeld eine Alternative bieten. Das Buch liefert mit seinem ebenso gnadenlosen wie leider nicht realitätsfernen Zukunftsszenario einen Grund mehr, warum das Nachdenken über Entschleunigung kein Fehler sein muss.
Also bitte kaufen, aber nicht bei Amazon, sondern in der Buchhandlung in Ihrer Nähe!
Irgendwie kam mir der Untertitel des Films "Speed" bekannt vor, denn "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" war der Zeitredakteur und Buchautor Christian Schüle bei uns schon im Jahr 2006 (er las in der Folge sogar in Unterkrumbach aus seinem Buch "Deutschlandvermessung"). Sein gleichnamiges Zeit-Dossier in der Ausgabe 1/2007 begann ebenso tragisch wie das Buch "Speed" zum Film von Florian Opitz (den Film habe ich leider noch nicht gesehen, werde das aber nachholen):
"Natürlich war ich in diesem Jahr wieder nicht mit meinem Neffen im
Kino. Ein einziger Abend war versprochen, Film egal, ein Abend von
dreihundertfünfundsechzig Abenden.Du hast ja nie Zeit, sagt der kleine
Mann am Telefon.
Wenigstens zu ihrem Geburtstag wollte ich meine Mutter
zu Hause besuchen. War klar, sagt sie, dass dus nicht schaffst. Ein Jahr
kann auf irrsinnige Weise kurz sein, sage ich. Bitter darauf ihr
Schweigen.
Für 2006 hatte ich mir vorgenommen, mindestens zehnmal in
Theater und Oper zu gehen. Immer kam etwas dazwischen, von dem ich nicht
wusste, ob es wichtiger oder nur bequemer war.
Vier Wochen wollte ich
durch Südamerika reisen ... .Weiter als bis Griechenland kam ich nicht, eineinhalb
Wochen, zwischen zwei unaufschiebbare Projekte gequetscht, mit Laptop
und einem Berg Arbeit.
Sport, jeden Mittwoch zwei Stunden Tennis, am Wochenende Rad
fahren, das war das große Vorhaben. Wo der Schläger ist, weiß ich bis
heute nicht - Rad gefahren bin ich einmal.
Ich bin erschöpft und in meiner
Erschöpftheit zugleich hyperaktiv. ... Ich bin nicht
imstande, zu sagen, womit genau ich meine Zeit verbrauche. Ich stelle nur
fest, dass ich nie genügend habe. Ich bin ein
typischer Vertreter der dauererregten Leistungsgesellschaft in
permanenter Zeitnot.
Als ich erkannte, dass auch ich zu denjenigen
gehöre, in deren aktivem Wortschatz das wunderbare Wort Muße nicht
vorkommt, machte ich mich auf die Suche nach der verlorenen Zeit. Ich
reiste nach München, Zürich, Luzern, Sursee, Hersbruck und Frankfurt und traf Menschen, die die Zeit wiedergefunden haben."
(Das Zeit-Dossier, in dem auch die Cittaslow Hersbruck und die Möbelmacher vorkommen, ist hier nachzulesen.)
Filmemacher Florian Opitz formuliert das gleiche Thema im aktuellen Buch zum Film "Speed" sieben Jahre später so:
"Ich habe eine tolle Freundin und inzwischen auch ein Kind, Anton. Also eigentlich alles super. Eigentlich.
Doch irgendwie habe ich in den letzten Jahre gemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich habe keine Zeit. So sehr ich mich auch anstrenge - ich habe immer viel zu wenig Zeit für das, was ich mir vornehme.
... Endlich mal wieder ausgehen, Zeit mit Freunden und Familie verbringen, ins Kino oder zu Konzerten gehen. Doch dann dauert es nicht lange und meine Pläne zerplatzen wie Seifenblasen.
Und ich hetzte genauso atemlos durchs Leben wie zuvor. ... Seit Jahren schon will ich mit Freundin Caro mehrere Monate durch Lateinamerika reisen. Chile, Bolivien, bis rauf nach Nicaragua, das war der Plan. Weiter als in die Toscana haben wir es bisher allerdings nicht geschafft.
Eine Woche Kurzurlaub aber auch nur mit Handy Laptop und einer Menge Arbeit.... Rennradfahren, Klettern und mal wieder auf Ausstellungen gehen. Jahr um Jahr scheitere ich an meinen guten Vorsätzen.
Florian Opitz macht sich - wie damals Christian Schüle - auf die Reise, allerdings mit den Wünschen (und Budget) eines Filmemachers, der aussagekräftige Bilder und schillernde Menschen benötigt und das offensichtlich auch fand. Auf der Suche nach seiner verlorenen Zeit hat er viele Flugmeilen Kerosin verbraten und hat sich dabei tragischerweise noch weniger um Sohn Anton kümmern können, als er eigentlich durch diese Aktion erreichen wollte. Aber wir sind ihm trotzdem dankbar dafür, dass er eine zeitgemäße Umsetzung des Themas Zeit und Entschleunigung angegangen ist, das uns nicht zuletzt bei Slow Food und Cittalsow beschäftigt.
Sektenseminar mit Zaubertricks bei Lothar Seiwert
Aber die spannende Aufgabe, ein großes (Film-)Projekt ohne unendliche Geldreserven zu stemmen, lässt sich nun mal nur schwer mit tagelangem Meditieren in der Jurte in Einklang bringen, auch wenn seine erste Station, ein Late-Night-Seminar bei Prof. Dr. Lothar Seiwert, durchaus den Eindruck erwecken sollte, das Zeitproblem wäre eine selbstgemachte Lebenslüge. Angeblich mithilfe von ein paar Ratschlägen - am Besten im Zusammenhang mit teuren Seminaren - und mit Disziplin in der Griff zu bekommen. Gekonntes Zeitmanagement, bewusste Trennung des Wichtigen vom Unwichtigen und anscheinend auch ein paar Zaubertricks ließen sich anhand der Ratgeberliteratur leicht erlernen und das wäre dann der Anfang des neuen Lebens. Bei Lesen von Opitz Seminar-Schilderung packt einen das Grauen und zieht es einem wirklich die Schuhe aus, sein nachvollziehbares Resümee: "Zeitverschwendung und Sektenveranstaltung."
Die Rolltreppe
Opitz zitiert den Soziologen und Beschleunigungsexperten Hartmut Rosa:
"Viele haben den Eindruck, sie müssten jedes Jahr ein wenig schneller laufen - und jetzt kommt das für mich Spannendste -, nicht, um irgendwo hinzugelangen, sondern um ihre Position zu halten."
Ein Gefühl, wie auf einer Rolltreppe, die nach unten fährt. Wir müssen hochstürmen, um oben zu bleiben. Und so besucht er den Psychologen und Fachmann für das Burn-Out Syndrom Dr. Bernd Sprenger, denn "jeder erfolgreiche Mensch, der was auf sich hält, muss mal Burn-Out gehabt haben." Hat Opitz offensichtlich (noch) nicht, aber Sprenger zitiert Tucholsky "Leben heißt aussuchen." Seine durchaus wertvollen Ratschläge zur geschickten Organisation von Schlaf, Bewegung und Ernährung auf der körperlichen Seite und den psychischen Faktoren wie Bindung, Selbstwertbestätigung, Orientierung und Lustbefriedigung kommentiert Opitz treffend so: "Klingt einfach. Ist es aber nicht."
Ganz nebenbei lernt er noch einen Redakteur der Süddeutschen Zeitung kennen, der ein halbes Jahr digitales Fasten übersteht und besucht Deutschlands bekanntesten Zeitforscher Professor Karlheinz Geißler, der als persönliche Lösung des Zeitproblems den Verzicht sieht.
"Wenn wir vom Zeitdruck wegkommen wollen, dann müssen wir mehr verzichten. Das ist die einzige Lösung. Darauf verzichten mehr Geld zu verdienen, oder auf Möglichkeiten des Konsumes verzichten."
Aber er sieht Verzicht nicht als lustfeindliche, quasireligiöse Aufforderung zum spartanischen Leben, sondern als Mittel zur Rückgewinnung der Lust am Leben. Er rät zu einer Balance aus Güter- und Zeitwohlstand und er plädiert für das "Enthetzen." Enthetzen hieße nichts anderes, als überflüssige Beschleunigung abzubauen (Anm.: was durchaus leichter fallen könnte, wenn man keine Verantwortung für viele andere Menschen hätte) . Gleichzeitig ist er der erste Gesprächspartner, der Opitz Zeitproblem nicht als individuelles, sondern als gesellschaftliches und vor allem politisches sieht. Also hat nicht nur Opitz eine Zeitmacke, die ganze Gesellschaft ist auf Speed. Und der Soziologe Hartmut Rosa pflichtet bei:
"Alle individuellen Entschleunigungsstrategien können da eigentlich nur scheitern. Kaum jemand sagt, dass das eine strukturelles, gesellschaftliches Problem ist. "
Die Beschleuniger
Und so kommt Opitz zum zweiten Teil des Buches, in dem er die Beschleuniger besucht. Denn die Wachstumsideologie und zu einem wesentlichen Teil die Finanzmärkte, aber vor allem der wirtschaftliche Wettbewerb bestimmen das Tempo dieser Gesellschaft, die sogar drüber nachdenkt, aus Wachstumsgründen denn Sonntag abzuschaffen. Opitz erfährt, dass 90 Prozent der heutigen Aktiengeschäfte so schnell von statten gehen, dass sie nur von Computern zu bewältigen sind, weil die in diesen Millisekunden noch mehr Geld "verdienen" können, als ein Mensch.
Aber ist dieses Geld wirklich verdient? Wird es nicht dem einen weggenommen und den falschen in die Tasche geschoben? Was tut der Finanzmarkt für die Produktion, was tut er für die Lebensqualität einer Gesellschaft, abgesehen von den Boni der Banker, die ihr Leben demselben zum Opfer machen, wie das im Buch anschaulich geschildert wird? Der Wettbewerb hat Strukturen geschaffen, die sich beschleunigen müssen; nicht damit die Dinge besser werden, sondern damit sie überhaupt bestehen können.
Und so schildert er seine Erlebnisse mit einer berühmten Unternehmensberaterin und der Firma Reuters, die ihr Geld schon lange nicht mehr mit normalen Nachrichten verdient, sondern Finanznachrichten, deren Geschwindigkeit so wichtig ist, dass Firmen in die Nachbarschaft ziehen um von den kurzen Kabelverbindungen zu profitieren.
"Reuters arbeitet an der Abschaffung von Raum und Zeit, an der weltweiten "Vergleichzeitigung," am ewigen Jetzt."
Die Welt läuft auf Autopilot und wir nutzen Technologien, weil sie da sind. Niemand denkt daran, Bremsen einzubauen. Der Neoliberalismus der letzten Jahrzehnte hat alle Bremsen beseitigt, ohne Bremsen rast man gegen die Wand, was die Finanzkrise eindrucksvoll belegt. Hartmut Rosa fragt in diesem Zusammenhang: "Die Frage ist nicht, wie viel Geschwindigkeit wir irgendwie erreichen können, die Frage muss lauten: Wie viel Geschwindigkeit ist gut für ein gutes Leben? Was steigert die Qualität des Lebens?
Alternativen zum Hamsterrad
"Schöne Bescherung. Da ist scheinbar ein sich selbst antreibendes System entstanden, dessen Treibstoff ständiger Wettbewerb und Profitgier ist."
Und so besucht er Rudolf Wölzel, ehemals bei der berüchtigten Bank Lehman Brothers als "Heuschrecke" beschäftigt, also für Firmenkäufe zuständig. Der Aussteiger lebt auf einem Schweizer Berghütte oberhalb von Klosters und bedankt sich rückwirkend bei seinen Freunden, die ihm rechtzeitig sagten, dass er auf dem besten Weg sei, ein Arschloch zu werden.
Und weil sich nicht jeder den finanziellen Hintergrund für einen kompletten Ausstieg ohne Geldsorgen im Vorleben verdienen(?) konnte, verbringt er auch Zeit bei richtigen Bergbauern, deren Glück beim Arbeit im Kreise der Familie und im Takt der Natur durchaus nachvollziehbar und spürbar ist. Aber es es ist keine wirklich verwirklichbare Alternative für die junge Familie eines Berliner Filmemachers.
An dieser Stelle erklärt Hartmut Rosa, dass wir Glück nicht erfahren, wenn wir in der Wellness Oase zum Beispiel mal gar nichts tun.
"Wir erfahren Glück in dem was der ungarisch-amerikanische Psychologe Mihaly Csikszentmihaly "Flow" nennt. Das heißt in Zuständen eines selbstbestimmten Tuns und Handelns das mit einem gewissen Spaß, einem gewissen Reiz verbunden ist, aber auch eine gewisse Bedeutung für uns hat - und wo wir, jedenfalls vorübergehend, das Gefühl haben, dass wir ganz bei uns selbst sind."(Anm.: Das war für mich ein wichtiger Satz im Buch).
Entschleuniger auf der Überholspur
Das trifft exakt auf den nächsten reichen Aussteiger zu: Douglas Tompkins, der die Outdoor-Klamottenfirma North Face und die Modefirma Esprit gegründet und später verkauft hat und mit dem Erlös zu einem der größten Grundbesitzer der Welt wurde, der diese gekaufte Natur schützen und im Sinne der Nachhaltigkeit zu funktionierenden Naturparks weiterentwickeln will. Weil sein Leben in ständigen politischen Kämpfen, im Kleinflugzeug und in einem Wettlauf gegen das Alter genau das Gegenteil von Entschleunigung bedeutet, hat er sich eines der schönsten Metaphern, für Entschleuniger auf der Überholspur ausgedacht:
"Ich vergleiche das manchmal mit einem Krankenwagenfahrer. Der fährt auch schnell, um den Patienten schnellstmöglich ins Krankenhaus zu bringen, Feuer mit Feuer bekämpfen? Ja, so könnte man es sagen. Ich weiß nicht, wie ich es besser erklären kann, und ich weiß auch nicht, ob es richtig ist."
Das Bruttonationalglück Bhutans gegen das Bruttosozialprodukt
Der bhutanische Minister für Bruttonationalglück, Karma Tshiteem, bezeichnet das Bruttonationalglück als eine Entwicklungsphilosophie, in der wir Zeit als Leben sehen und nicht als Geld.
"Ich glaube, das unterscheidet diese Philosophie und unser Land von den meisten anderen Entwicklungsideen. Da steht immer Wachstum an erster Stelle. Natürlich sind uns in Bhutan Bruttosozialprodukt und Einkommen wichtig. Aber eben auch anderen Dinge. Genügend Zeit mit Freunden oder der Familie zum Beispiel."
Und Dasho Karma Ura, Leiter des Zentrums für
Buthanstudien erklärt: "Glück ist, wenn die Menschen die Möglichkeit haben, ihr Potential zu
entfalten. Dafür die Voraussetzung zu schaffen, ist das Ziel des
Bruttonationalglücks.
"Jeder wisse doch inzwischen, dass das Bruttosozialprodukt nichts über das Wohlbefinden oder die Lebensqualität der Menschen in einem Land aussage. Im Gegenteil: Das Bruttosozialprodukt sei ein irreführendes, ja perverses Maß. Das Bruttosozialprodukt steige zum Beispiel, wenn für die Produktion von Gütern Wald abgeholzt und die Umwelt versucht würde, nicht aber, wenn die Umwelt geschützt und die Ressourcen gespart würden.
Das Kapitel über Bhutan liest sich nicht zuletzt dank des zufälligen Treffens mit engagierten Radiomoderatoren richtig spannend und führt im nächsten Kapitel zur Frage des aktuell in Deutschland diskutierten, in Namibia schon mit Erfolg getesteten bedingungslosen Grundeinkommens. Es könnte doch durch den Wegfall aller anderen sozialen Unterstützungen möglich sein, ein Grundgehalt an alle zu zahlen, die es haben wollen, ohne Bedingungen? Es gibt ebenso viele Unterstützer wie Gegner aller Denkrichtungen und Parteien dieser ebenso alten, wie reizvollen Idee, aber die Schwächen des aktuellen Systems, das von einer in die nächste Krise schlittert, müssen dringend kritisch hinterfragt werden. Die Suche nach Alternativen ist die Aufgabe der jetzigen Entscheider und vielleicht kann Film und Buch die Beschäftigung mit dem Thema fördern.
"Exkurs: Leider ist gerade eine Enquete-Kommission des Bundestags unter der engagierten Führung der jungen SPD-Abgeordneten Daniele Kolbe in dieser Richtung mal wieder kläglich an der Wachstumslüge und der ebenso allgegenwärtigen und widerlichen Lobbyarbeit gescheitert, was in der ZEIT (9/2013) so bedauert wird:
"Offensichtlich sei der Bundestag strukturell nicht in der Lage, die großen Menschheitsfragen zu beantworten. Miegel (Chef des Denkwerks Zukunft, der von der CDU in das Gremium berufen wurde!) sagt so etwas nicht leichtfertig. Er hat sein ganzes Leben zwischen Politik und Forschung verbracht, immer auf der Suche nach neuen Ideen für das Land. Er hatte darauf gehofft, das die Parteien in der Enquete-Kommission genau das wollten - auch um sich selbst und der eigenen Klientel unangenehme Wahrheiten mitzuteilen."" Wer sich von der Politik mal wieder enttäuschen lassen will, sollte den Artikel der ZEIT hier nachlesen.
Cittaslow Hersbruck
Anders als bei Christian Schüle im Zeit-Dossier, führt die Suche nach der verlorenen Zeit Opitz nicht zu Slow Food und Cittaslow, der Vereinigung der lebenswerten Städte, auch wenn gerade diese in dem Dilemma zwischen Wettbewerb und Entschleunigung stecken und sich - die eine mehr, die andere weniger - auch mit dem Hintergrund der Zeitdiskussion beschäftigen (sollten). Und so ist der Film schon zweimal im Hersbrucker Citykino gezeigt worden, im Vorfeld hat sich dabei der Arbeitskreis Cittaslow vorgestellt und zur Mitarbeit animiert. Auch für kommende Veranstaltungen wird der Film mit eingeplant, ich persönlich fände vor allem eine Diskussion mit dem jungen Filmemacher interessant, denn das Verdienst des Filmes sind nicht unbedingt neue Erkenntnisse in der Zeitdiskussion, sondern die moderne, auch für junge Menschen zugängliche Umsetzung, die nicht zuletzt durch die Umsetzung als Icherzähler erleichtert wird (auch wenn ich mir mehr Web 2.0 Elemente zur Diskussion und mit weiteren Links gewünscht hätte). Noch besser wäre natürlich eine Diskussion mit Christian Schüle und Florian Opitz zusammen, aber vermutlich werden wir dafür wieder keine Zeit finden ... .
Sie sind wieder da, unsere Spätzchen!
Dieses Jahr haben sie ein zweites Vogelhäuschen gefunden und gleich besetzt.
Der Sitzordnung nach scheint es sich bei beiden Paaren um ein inniges Verhältnis zu handeln.
Im Februar 2010 lag Schnee, ich war in der Loipe bei Waller, der Himmel war himmelblau und alles war gut. Den skurilen Baum am Rande des Angers wollte ich fotografieren, tat ich auch und erwischte dann ausser dem Baum gleich noch eine hellblaue Langläuferin ins Bild. Leider ist das Foto inzwischen unauffindbar, darum füge ich die Adresse des damaligen Blogeintrags am Schluss an.
Der Baum im Walleranger steht immer noch. Es ist ein Apfelbaum, er trug unverhofft viele Früchte, die nun auf dem Boden verfaulen. Der Baum strahlt etwas aus, das Mut macht, auf mich wirkt er immer noch gleich wie vor drei Jahren. Den beiden Männern gehts wohl ähnlich. Sie beraten, von welchen Ästen Reiser geschnitten werden sollen, um der bis jetzt noch unbekannten Apfelsorte ein Überleben durch die Veredelung zu ermöglichen.
Ottmar Fischer entscheidet sich und schneidet von zwei verschiedenen Ästen etwa 35 cm lange Triebe weg.
Normalerweise bekommen die zusammengebundenen Reiser den Apfelnamen mit auf den Weg. Vom Überleben des alten Apfelbaums hängt es ab, ob er im nächsten Herbst noch einmal Äpfel fallen lässt, deren Name dann vielleicht ein Pommologe herzaubern kann.
Am Stamm zeigt sich, dass eine entstandene Wunde langsam wieder zuwächst (rechts im Bild), das lässt uns doch hoffen!
Wenn es Frühling wird oder gar im Sommer, am schönsten wohl im Herbst, wenn der alte Apfelbaum Früchte trägt: hier führen zwei Wanderwege vorbei!
Endlich ein Lichtblick im bis anhin eher düsteren Dezember! An der Pegnitz entlang führt ein bis vor kurzem noch überschwemmter Weg, der Sand ist teilweise verschwunden, das Hochwasser hat die Uferbefestigung verschoben, alle Jahre wieder! Am Anfang und am Schluss finde ich winterharte Sträucher mit vollkommenen Beeren. Schön.....
Ich sah sie frühmorgens im Badezimmer am Boden, Farbe dunkelbraun, Leibeslänge ca. 2 cm, und hatte nur einen Gedanken, raus mit dem Stinktierchen. Mit einem weichen Lappen wickelte ich den unbekannten Gast ein, sorgfältig, denn ich wollte schauen, um was es sich handelte, und setzte ihn auf den äusseren Fenstersims. Als er sich dann auf dem Tuch ausstreckte, war er grün, grüner gehts nimmer! Entweder kann er sich umfärben, oder ich habe mich beim ersten Blick getäuscht, kann ja mal vorkommen so früh am Morgen. Was mach ich jetzt nur mit dir? Fliegen kannst du nicht, runterklettern trau ich dir auch nicht zu, bleibt noch tragen und anschliessend Fotoshooting im Garten. Sanft rolle ich die Langbeinige wieder in das Tuch ein und auf einer Ringelblume wieder aus. Inzwischen habe ich in meinem klugen Buch nachgeschaut: es ist wohl eine Laubheuschrecke, also eine Springschrecke mit langen dünnen Fühlern und viergliedrigen Füssen, meist dämmerungsliebend oder nächtlich, und davon gibt es so viele, dass ich tief schnaufen muss. Fotoshooting beendet und ich erlöste das Tierchen nun von seinem ungewohnten Sitz, an welchem seine langen Beine keinen richtigen Halt fanden, und liess es in den grünen Strauch daneben dahin kraxeln, wo es sich wohl fühlt. Seine Bewegungen sind langsam, seine langen Fühler tasten sorgfältig die Umgebung ab, in den Vorderbeinen befinden sich Gehörorgane und die Schrecken singen, dies las ich in Pareys Buch der Insekten, erschienen 1985. Und nachdem ich nun dies alles gelesen habe, kann ich mich erinnern, dass ich vor langer Zeit solche Melodien gehört habe. Wo? Im Schweizer Jura auf den Pferdeweiden, es war zauberhaft.
Klick in die Fotos!
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Sonntagsstille um 6 Uhr 30. Noch kein Vogelgesang. Nebel über der Aue, der sich langsam auflöst.
Spinnennetze blinzeln in die flache Sonne. Jedesmal wieder eine Faszination.
Das Bächlein - ich weiss nicht, woher es kommt und auch nicht, wohin es geht, ich weiss nur, dass ich es seit Jahren beobachte - hat sich zum Guten verändert.
Die Enten an der Pegnitz schütteln den Schlaf weg.
Der Storch ist auch unterwegs. Er lässt sich in seiner stolzen Gangart überhaupt nicht stören.
Der Nebel beim Grossen Hansgörgl löst sich als weisse Wolke am Boden auf
und kein einziger Velofahrer ohne Klingel hat mich zu Tode erschreckt, denn es war noch keiner unterwegs!
Fotos: Waldemar Schuster/Bearbeitung: Alice Niklaus
An der letztjährigen Tagung in Berlin wurde der Wunsch geäussert, wieder einmal in Bayern zu tagen. Aber: von den bayerischen Anwesenden gab es nur zögerliche Zustimmung. Der Grund in zwei Worten war "zu teuer", aber wir können ja mal auf die Suche nach einer geeigneten Tagungsstätte gehen und dann weiter sehen. Ich bekam den Auftrag, orientierte mich in Richtung AOK-Bildungsstätte in Hersbruck, wo wir im Jahr 2005 schon einmal erfolgreich tagten. Da sich kein freier Termin mehr fand bekam ich einige Tips von anderen möglichen Orten. Die Wahl fiel auf das Hotel Gut Matheshof in Rieden/Oberpfalz. Die Besichtigung der Örtlichkeiten verlief positiv und das Angebot lag im angepeilten Rahmen - von wegen "Bayern ist zu teuer"! Reden muss man miteinander! Kurzum, vom 27. - 29. April fand die Tagung statt. Ca. 100 Personen reisten aus ganz Deutschland, Finnland, Österreich, der Schweiz und Italien an und verbrachten anstrengende, aber harmonische zwei Tage miteinander, wie hier Prof. Kühnel, Regensburg, und Prof. Chavanne, Oldenburg.
Nach der Begrüssung des 1. Vorsitzenden, Herrn Klaus Hanselmann, stellte der Bürgermeister von Rieden und Schirmherr der Tagung, Herr Gotthard Färber, seine Gemeinde vor. Für mich sind diese Grussworte und die Vorstellung der jeweiligen Tagungsgemeinde willkommen. Meist sind die Bürgermeister, ab und an ist es eine Bürgermeisterin, humorvolle Personen, die ihre "Land und Leute, Freuden und Probleme" mit Augenzwinkern vorstellen, so wie auf dem Foto.
Ein Osler-Grundkurs mit Schwerpunkt Nase war für den Freitagnachmittag vorbereitet worden. Die vor einiger Zeit durchgeführte Mitgliederumfrage zum Thema, welche Schwerpunkte die Lebensqualität der von Morbus Osler Betroffenen am stärksten einschränken könnten, ergab
Nasenbluten und Leberbeteiligung.
Nasenbluten in allen Variationen erschweren bei den meisten MO-PatientInnen den Tagesablauf. Der Umgang mit einer Osler-Nase ist vielfältig und die Betroffenen müssen sich meist selber helfen können, denn in den wenigsten Fällen ist kurzfristig ein HNO-Arzt zu erreichen. Der "Osler-Grundkurs mit Schwerpunkt Nase" soll uns Hilfe zur Selbsthilfe lehren.
Wie sieht es überhaupt in einer Nase aus? Wo liegen meine Blutungsstellen und wie tamponiere ich meine Nase selber? Welche Medikamente soll ich anwenden und woher bekomme ich die Rezepte? Die Übersicht vermittelt uns Prof. Dr. Thomas Kühnel von der Uni.-HNO-Klinik, Regensburg. Er führt uns durch das Thema und stellt sich dann als lebendige "Puppe" zur Erkundung des Innenlebens einer Nase zur Verfügung.
Unser langjähriges Mitglied Stina aus Helsinki traut sich! - Dass ich drei Fotos mit Text zu Prof. Kühnel in diesen Blogeintrag stelle, hat seinen Grund: Dr. Kühnel habe ich 2004 kennengelernt, (der "Prof." kam später dazu). Seine Lasertechnik zur Behandlung von Osler-Nasen hat ernorm viel zur Verbesserung meiner Lebensqualität beigetragen, dafür danke ich ihm. Ausserdem stelle ich einen Spitzenmediziner aus Bayern an dieser Tagung gerne in den Vordergrund.
Mit einem Vortrag von Herr Rechtsanwalt H. Herrmann aus Bochum zum Thema "Umgang mit Renten- und Krankenversicherung" begann der Samstag. Eine Zeitüberschreitung bahnte sich an, denn die Erfahrungen mit erwähnten Versicherungen waren vielfältig und das Interesse am Vortragsinhalt dementsprechend gross.
Zu den Themen....
Leberbeteiligung bei Morbus-Osler
Prof.Dr. Carlo Sabbà, Zentrum für seltene Erkrankungen, Policlinico di Bari/Italien
Extremfall einer Leberbeteiligung im Kindesalter
Dr. Christian Frische, Universität Tübingen
Bevacizumab zur Behandlung der Leberbeteiligung und Berichte aus Patientenmund, Erfahrungen aus Oldenburg
Prof.Dr. Ajay Chavanne, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Klinikum Oldenburg
Erfahrungen aus Essen
Dr. Tartakowski, Krupp-Krankenhaus, Essen
Erfahrungen aus Bari (Italien) zum Bevacizumab bei Darm, Nase und Leber
Prof.Dr. Carlo Sabbà, Zentrum für seltene Erkrankungen, Poliniclinico di Bari/Italien
....verweise ich auf den ausführlichen Bericht über die Tagung von Günter Dobrzewski, der auf der Homepage der Morbus-Osler Selbsthilfe erschienen ist:
37 Grad am Sonntag, Pferde und Reiterinnen, Tränen beim Abschied, Ruhe rundum, endlich werden wir wahrgenommen, bilden sich Seilschaften, interessieren sich Ärzte für uns, ein Geben und ein Nehmen ist entstanden.
Der klassische Name für diese Krankheit ist HHT = hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie
Endlich ist der Frühling da! Eine stille Stunde am Baggersee wünsche ich mir zum Sonntagmorgen. Das Velo wechselt vom Winter-Nichbetrieb in den Frühlingsdienst und ich verwandle mich für einige Stunden in eine Velo-Aktivistin. Am Baggersee ist es still, das Wasser spiegelt und ist glatt. Weit weg rollt ein Kanute, mal rechts, mal links. Am gegenüberliegenden Ufer geht der frühe Morgen leise in die sonntägliche Aktivität über. Ein Vogelpaar kreist am Himmel, nein, Enten sind es nicht und auch keine hier seltenen Schwäne. Ihre Landung ist ausserhalb meiner Sicht, aber nun sehe ich sie im Laufschritt auf den Teich zustreben. Warum? Und seid ihr elegante Gänse? Das Warum löst sich schnell auf. Ein Mann in schwarz und gelb steigt plötzlich aus dem See. Woher kommt er denn nur und wohin geht er? Oh, da liegt ja ein schwarzes Kajak! Erleuchtung: das ist der Roller von vorhin. - Und nun ist meine sonntagfrühe stille Stunde zu Ende, ich bin wieder neugierig und lasse mir vom Sportler erklären, wie sich ein Kajak zum Rollen bewegen lässt. Ich bin beeindruckt und wünsche ihm noch viele komplikationslose Rollen. Zufrieden steige ich auf mein terrestrisches Transportmittel und strample zum nächsten Ziel.
Die Antwort ist "heisse Schokolade"! St. Gallen, die Stadt zwischen Bodensee und Alpstein zieht mich immer wieder an, nicht nur wegen ihrer einzigartigen Lage, es geht hier um eine kulinarische Spezialität im Schoggiland. Ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: kein Aufenthalt in St. Gallen ohne eine heisse Schoggi in der Chocolaterie am Klosterplatz! Dagegen kommt keine Glacé an. Dieses Jahr bekam ich ein unerwartetes Weihnachtsgeschenk in Form einer Chocolaterie am Nürnberger-Tor in Hersbruck. MARINAS SCKOKOLADE+KAFFEE heisst es am Fenster. Das Wetter war kalt und trüb und grau. Wenn SCHOKOLADE heisse Schoggi bedeutete, wäre ich glücklich, dachte ich. Ich bin immer noch glücklich, denn inzwischen habe ich Marinas heisse Trinkschokolade kennengelernt und bin begeistert. Die Qualität ist hervorragend und hält einen Vergleich mit der St. Galler Variante aus. Das Angebot im Trinkschokolade-Bereich beinhaltet zehn Geschmacks-richtungen, darunter Cioccolata Fondente, Orancia e Canella, Cocco, Bianca Extra, alle aus biologisch angebauten Essenzen. Es ist kuschelig im kleinen Laden, warm, ich fühle mich als Gast und werde von einer symphatischen Gastgeberin betreut. Keine Hintergrundmusik stört das Gespräch! Wo gibt es das noch? Die Nutzung der kleinen Räume ist optimal und sehr sympathisch, den Espresso habe ich auch genossen. Ich komme wieder, liebe Marina Leikauf!
Das Schlossgut Wildenstein liegt auf einer Höhe von 500 ü.M. auf einer Hochebene des Tafeljuras im Kanton Baselland in der Nordwestschweiz. Ich habe die Chance, am letzten warmen, goldenen und sanftfarbigen Tag dieses Jahres ein paar Stunden mit lieben Verwandten im Naturschutzgebiet Wildenstein zu verbringen. Hier befindet sich auch einer der letzten Eichenwitwälder der Schweiz. Witwald = Weidewald.
Am Beginn der ersehnten Wanderung unerhalten wir uns über die Vergangen- heit von Schloss Wildenstein. Es wird in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Damals wurde die Dreifelder-Wirtschaft betrieben. Im Herbst waren die Samen der vielen Eichen Material für die Viehmast. Mitte des letzten Jahrhunderts war die Zeit der intensiven Landwirt- schaft, was vom damalige Besitzer noch rechtzeitig als falsch erkannt wurde. Zurück in die Jetztzeit: Ein Schreit- vogel entdeckt uns und setzt sich auf den obersten Ast einer Eiche. Es ist ein mächtiger Graureiher.
Die letzte Herbstmahd im Naturturschutz-gebiet ist im Gang, es gelten hier die strengen Regeln des biologischen Landbaus. Viele der Eichenbäume sind über 500 Jahre alt, einige sind so umfangreich, dass wir vier Leute es nicht schaffen, ihn zu umarmen. Im hohlen Stamm allerdings, da hätten wir wohl zu viert Platz, aber wer fotografiert dann? Beim Weiter- schlendern begegnet uns etwas ganz Kostbares. Ein süsses, kleines Froschkind sitzt farblich dem Herbst angepasst zwischen Eicheln auf dem Boden. Wir nehmen es mit. Jenseits des Zauber- walds gibts einen Weiher, da wird es sich hoffentlich gut verstecken. Reiher haben keine Hemmungen!
Entspannt trete ich aus dem Eichenhain. Ich habe wieder Hutangergefühle!
War eine super Idee, das Buffet - als "Flying Buffet" angekündigt - flog leider nicht, obwohl es ausgezeichnet war. Das führte dazu, das viele Menschen von der Speisekarte bestellten, einfach, weil die gute Buffet-Idee nicht rüberkam. Wären die liebevoll kreierten Schälchen geflogen - repektive vom Service angeboten worden - hätten wir uns gerne am Leeren derselben beteiligt. War eine gelungene Aktion, gute Stimmung, viele Leute waren da, auch viele direkt aus Kühnhofen. Darf ruhig mal wiederholt werden.
Im Museum für Kommunikation Nürnberg ist noch bis zum 15. Februar 2009 zum Thema "vom Tagebuch zum Weblog" die Wechselausstellung @absolut privat!? zu sehen, die mich restlos begeistert hat.
Ich schreibe schon seit 1953 Tagebuch, jahrzehntelang in sogenannten Handschmeichlern, also kleinen, meist rot eingebundenen Diaries mit Goldschnitt.Seit meinem Umzug nach Deutschland benutzte ich grössere Formate mit Spiralbindung, anfangs in Hochformat, jetzt solche in Breitformat, die bequem auf dem Fenstersims neben dem Esstisch Platz haben und jederzeit greifbar sind. Meine Einträge waren und betreffen immer noch Schwerpunkte, die ich stichwortartig fülle. Daran hat sich meiner Jugendzeit nichts geändert.
Vom Log zum Blog:
Ein Holzstück wird im englischen auch als log bezeichnet. Ein Holzfäller ist ein Logger und eine Blockhütte ein Loghouse. Das Log an Bord eines Schiffes ist ein hölzernes nautisches Instrument, das in Kombination mit einer Logleine zur Messung der Geschwindigkeit genutzt wird. Die britischen Marinerichtlinien sehen seit 1731 vor, dass jeweils von Mittag zu Mittag in einem Logbuch Eintragungen zu machen sind.
Dies ist der Text, der auf einer Tafel im Museum zu lesen ist. Folgende Zeilen habe ich aus dem Katalog zur Ausstellung herausgepickt:
Vom Internet-Tagebuch zum Weblog:
Ein Weblog ist ein Redaktionssystem, welches ermöglicht, Texte, Bilder, Audiodteien usw. auf eine Webseite hochzuladen, die dann in Datumsfolge mit dem jüngsten jeweils oben im Internet publiziert werden. Die Kurzform "Blog" stammt von Peter Merholz. Er hatte vor zehn Jahren anstatt Weblog "wee blog" geschrieben. Durch die Trennung von Web und log zu "we blog" schuf er ein neues Verb, das im Deutschen zu "bloggen" verändert wurde.
Zwischen dem auf Papier geschriebenen Tagebuch und dem Weblog steht noch das Online-Tagebuch, das auf privaten Homepages gespeichert wird und das der Vorläufer des Redaktionssystem ist. Meine Berichte über die Hutanger sind nur insofern als Tagebuch einzustufen, als sie im Möbelmacherblog erscheinen, das mit wenigen Ausnahmen täglich gefüttert wird. Die Ausstellung bietet an, Onlinetagebücher und Weblogs am Computer zu lesen, und stellt einige BloggerInnen im Netz vor. Computerkenntnisse sind keine nötig, ausser ein wenig Fantasie, um die Maus in Bewegung zu setzen.
Der Katalog "@absolut privat!?" ist im Shop zu haben und eine wichtige Ergänzung zum Thema.
von Alice Niklaus Positano? Da war doch was? Zurück von der Italienreise google ich und siehe da:
Positano ist eine der vier italienischen Geburtsstädte der cittàslow-Bewegung. Hersbruck ist die erste cittàslow in Deutschland. Das Ziel der cittàslow-Mitglieder: "Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität". Positano liegt an der einmalig schönen Amalfiküste in der Region Campania. Auf der ersten Fotografie ist ein Verkehrsspiegel mit drauf, ein Kreisverkehr hätte hier keinen Platz. Die Stadt in der Senkrechten! "Entschleunigung" ist auf den Strassen kein Thema, letztere sind so schmal und kurvenreich, dass langsames Fahren und aufmerksames ZuFussGehen überlebenswichtig ist. Die steilen Strassen sind sowieso nur "slowly" zu überwinden. Am Berg oberhalb Positano schmiegen sich Dörfer in die steilen Abhänge. Das Thyrrenische Meer liegt zu Füssen der Stadt, eine Traumlandschaft!
Ich erfahre eben von herwig Danzer, dass der Bürgermeister von Positano, Signore Pietro Ottavio Fusco, persönlich bei der Übergabe der SlowCity-Urkunde im Mai 2001 hier in Hersbruck anwesend war.
Die Kochkurse von Elfriede Eusemann und Ulla Wolze sind meist schon vor der Veröffentlichung der Termine ausgebucht, weil wir pädagogisch und platztechnisch an Grenzen stoßen würden, wenn wir mehr als 15 Teilnehmer wären. Aber für Jürgen Beyer vom roten Ochsen (Red Bull) haben wir sogar ein wenig überbucht, weil der Abend ob seiner Kompetenz und seines Materialeinsatzes so beeindruckend zu werden versprach. Dank der traditionell kurzfristigen Absagen ("ich hab jetzt leider doch keine Zeit" was sich einfach nicht immer vermeiden lässt) ging es dann trotzdem noch auf.
Das halbe Lamm ist leichter zu "begreifen", wenn es im ganzen (halben) vor einem liegt, als wenn jemand per Zeigefinger die äußeren Umrisse des Tieres andeutet. Jürgen ist einer der seltenen Miele-Köche, die sich ernsthaft in die Situation der Hausfrau begeben und auch mal die Automatikprogramme der Miele 5000 Serie freiwillig ausprobieren. Und so glaubwürdig kam die ganze Veranstaltung dann auch rüber, er liebt seinen Beruf und mit der Molekularküche kann auch mal am Espuma-Stickstoff-Siphon
was schiefgehen, was alle Teilnehmerinnen mit Humor und einer Menge Küchenkrepp trugen.
Die Rezepte finden Interessierte in Kürze in unserer Rezeptdatenbank, die stetig um neue Kreationen bereichert wird.
Wer selber mal bei uns kochen will, findet alle Einladungen dazu auf der Testkochenseite.
In diesem Jahr hat es furchtbar lange gedauert. Weil vor und nach der Consumenta nicht nur an den Wochenenden so viele Veranstaltungen waren, dass ich das Ding einfach nicht fertig bekam. Und obwohl sich Webse Nina rund um die Uhr um die Anzeigen bemühte, haben die fehlenden dann auch noch den Druck verzögert. Respekt vor den Anzeigenfachfrauen der Hersbrucker Zeitung, oder der Pegnitz-Zeitung, selbst unsere allzeit freundliche Nina musste alle Selbstbeherrschung zusammennehmen, um beim 10-ten Anruf über 2 Monate hinweg immernoch freundlich zu bleiben. Ich habe ihr versprechen müssen, meine Anzeigen immer pünktlich abzugeben, was uns eigentlich gar nicht so selten gelingt. .., zumindest nach dem zweiten Anruf.
Das erste Jahrbuch der Möbelmacher entstand 1996, als noch (fast)
niemand an das Internet glaubte. Es zeigt die interessantesten
Einrichtungsprojekte aus dem vergangenen Jahr, aber auch alles rund um
unsere Arbeit, die Mitarbeiter und das Leben in der Hersbrucker Alb und
ist somit eigentlich ein ebenso jährlich, wie auf Papier erscheinender
Vorläufer dieses Weblogs. Seit vier Jahren kann der Kalender, der laut
neutraler Umfarage vom forschungswerk.de bei 35% unserer Kunden an der
Wand hängt, auf unserer homepage auch als pdf heruntergeladen werden. Am Möbelkauf interessierten Menschen, netten Presseleuten oder Bloggern schicken wir
ihn gerne zu, allen anderen auch, aber da berechnen wir glatt 7 Euro.
Das Editorial 2008 zum Kalendertitel ZEIT zu leben:
Ein Kalenderjahr im Zeichen der Zeit: Christian Schüle war für sein ZEITdossier im Dezember 2006 „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" auch in der Slow City Hersbruck und in Unterkrumbach zu Gast, und er hat während seiner Lesung anlässlich der Unterkrumbacher Werkstatt-Tage („Deutschlandvermessung") einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dass sich Roland Zimmermann (am Foto rechts) vom Bayerischen Rundfunk als Moderator zur Verfügung stellte, lag wohl nicht nur an unserer langjährigen Zusammenarbeit, sondern an seinem Interesse für dieses Thema. Denn nur so konnte er eine Diskussion führen, die der Cittaslow Hersbruck alle Ehre machte. Schüle schrieb in der „ZEIT", dass unsere Kunden mehr Wert auf die Einrichtung, als auf teuere Autos legen, was Wolfram Steckbeck im Nachhaltigkeitsblog unter dem Motto „Wohnraum wichtiger als Hubraum" so kommentierte:
„Herzlichen Glückwunsch zum Artikel über die „international erfolgreichen Möbelmacher“! Auch wir gehören gerne zu Ihren Kunden, die sich lieber einen wunderschönen Tisch und saubequeme Jori-Stühle kaufen als ein teures Auto."
Hier ist Schüles Antwort auf Gerda Münzenbergs Weblogartikel über die Lesung. (Ungekürzt zu finden im Nachhaltigkeitsblog vom 4.9.07:
Liebe Gerda Münzenberg, wie Sie den einen oder anderen Gedanken der „Deutschlandvermessung“ im kleineren und größeren Kreise weiter diskutieren. Nichts wagt ein Autor mehr zu wünschen als dies. (...) Ich habe Hersbruck am Samstag mit einem Gefühl großer Erfülltheit verlassen, einem Gefühl von Wärme und großer Sympathie, und ich bin glücklich, dass das, was ich schreibe und anzubieten habe,
Man wühlt sich ja so durch das Archiv und Emails beim Kalenderschreiben und so kam ich auch auf die nette Mail eines Empfängers unserer Einladung zur Lesung mit Christian Schüle und den Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen 07 unter dem Motto ZEIT zu leben (alle Artikel dazu sind in der Kategorie abgelegt).
Sein Schreiben:
Sehr geehrte Frau Danzer,
herzlichen Dank fuer Ihre
Einladungskarte. Moeglicherweise werde ich kommen. Vorher werde ich jedoch
als Leser der Wochenzeitschrift "Die Zeit" Ihre Einladungskarte
an die Chefredaktion "Die Zeit" senden, weil der
Druck auf Ihrer Einladungskarte genau dem geschuetzten Logo entspricht. Mal
sehen, wie die Chefredaktion in Hamburg reagiert. Schade!!
Unsere Antwort:
Sehr geehrter Herr ,
vielen Dank für Ihre
Nachricht. Seitdem ich 17 bin, habe ich die Zeit abonniert, inseriere
dort immer mal wieder und veranstalte eine Lesung mit einem Redaktionsmitglied der Zeit, eben
Christian Schüle, ein genialer Autor, der mit uns auch zum Thema Slow City
diskutieren wird. In unserem Weblog bewerben wir die Zeit ganz heftig, weshalb ich
überzeugt bin, dass auch die anderen von Ihnen benachrichtigten und damit
dankenswerterweise hoffentlich auch eingeladenen Redakteure der Zeit das
"künstlerische" Foto mit meinem Kater so sehen, wie es gedacht ist: als Werbung
für die beste Wochenzeitung die ich kenne. Sollten Sie aber gar nicht das Foto
meinen, sondern den Schriftzug unseres Veranstaltungstitels "Zeit zu
leben", kann ich Ihnen versichern, dass die Verwendung des Wortes "ZEIT" in der
Standardschrift "Georgia" selbst von übelstgelaunten Juristen nicht beanstandet
werden kann. Würde mich freuen, Sie am nächsten Freitag begrüßen zu dürfen,
das lesenswerte Buch heißt "Deutschlandvermessung" und beschäftigt sich auch
sehr stark mit den Werten einer Gesellschaft.
als Bloggeranfängerin habe ich in den Newsletter-Beiträgen gestöbert und bin dabei auf die im Frühjahr gelaufene Diskussion über das Wort Cittaslow gestossen. Auch ich habe es um und um gedreht, getrennt, auf den Kopf gestellt, anders zusammengesetzt, ohne dass mir die Bedeutung klar wurde. Ein zweisprachiges Wort, warum denn das! - Der Artikel vom Goethe-Institut (hier klicken) bringt mir den besten Zugang zum Wort Cittaslow und ist Anlass, alles, was unter diesem Stichwort bei Google gesammelt wurde, zu lesen. Dass beim Goethe-Institut aus der Frankenalbtherme die Frankenelbtherme wurde, finde ich amüsant. Soweit das Wortgeplänkel.
Durch wen aber wird der Inhalt der "Vereinigung der lebenswerten Städte" an die Menschen, die in unserer Stadt wohnen, weitergereicht? Spontan fällt mir ein durch die Stadt Hersbruck betreuter Informationsstand anlässlich des Freitagmarktes ein. Am Ende der Veranstaltung würde hoffentlich Alt und Jung ausrufen: die Cittaslow - das sind wir!
natürlich erinnere mich an Sie! Leider komme ich (das Rasen der Zeit, da haben Sie es...) erst jetzt dazu, mich sehr herzlich für Ihren öffentlichen Brief vom 23.August zu bedanken, mit dem Sie mir eine große Freude bereitet haben. Die Lesung bei den Möbelmachern war eine rundum schöne Erfahrung, die mich stolz sein lässt, dass so gebildete und interessierte Leserinnen wie Sie den einen oder anderen Gedanken der „Deutschlandvermessung“ in kleineren und größeren Kreise weiter diskutieren. Nichts wagt ein Autor mehr zu wünschen als dies (zumal er genau das als Ideal ausgegeben hat)! Sie haben ganz recht: der von mir skizzierte Ichling ist nicht direkt die Blaupause für einen Mittdreißiger „auf dem Land“. Während der Gespräche nach der Lesung wurde mir klar, dass das sicher eine heikle Verallgemeinerung ist, und auch jene Frage bleibt, wie man eine Sprache entwickeln kann, die die Ichlinge aller Schichten, also auch der untreren. erreicht, denn darum geht es ja, um ein schichten- und generationenübergreifendes Bewusstsein. Ich denke seit meinem Besuch sehr darüber nach. Ich habe Hersbruck am Samstag mit einem Gefühl großer Erfülltheit verlassen, einem Gefühl von Wärme und großer Sympathie, und ich bin glücklich, dass das, was ich schreibe und anzubieten habe, von solch debattierfreudigen Menschen an- und aufgenommen wird. Von nichts werde ich mich abbringen lassen, diesen Weg weiter zu gehen, und das nächste Buch, wann immer es erscheint, wird verfasst sein im Wissen darüber, dass solcherart geistige Auseinandersetzung nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine fruchtbringende Art zwischenmenschlicher Kommunikation ist. So etwas lässt sich nicht am Markt verhandeln. So etwas ereignet sich zwischen offenen Menschen im offenen Raum im gemeinsamem Aufbegehren gegen die Kontinuität des Schwachsinns. Ganz besonders danke ich Ihnen schießlich für Ihre Worte Kapitel „Das deutsche Testament“, Ihr Urteil bedeutet mir viel. Wann immer Hersbruck es mag, werde ich wieder zu einer Lesung kommen, und wieder wird alles so gut organisiert und wohltuend durchgeführt sein, eine verständige Geneigtheit, von dem all die, die in den großen Städten leben und oft das Gefühl und die Leidenschaft verloren haben, nur lernen können. Darum, im übrigen, wird es in dem Roman gehen, den ich jetzt zu schreiben beginne: um den Verlust des Spürens und der Hingabe.
Seien Sie sehr herzlich gegrüßt von Ihrem Christian Schüle
(P.S. Und Sie werden es nicht glauben, aber in der Tat war ich mit meinem Neffen Noah erst am Badesee, dann im Biergarten, schließlich im Kino....)
Als ehemalige leidenschaftliche Skifahrerin machte ich mich nach der Lesung auf, den Zweydingers-Ski anzuschauen. Was mich am Treppenende anlachte, war einfach umwerfend. Strahlend schön hinten und vorn. Wenn ich an die Holzski meiner Kindheit denke... Allerdings, da steht nur e i n Ski. Falls jemand auf die Idee kommen könnte, in ein paar Wochen die Abfahrt vom Aroser Weisshorn im schweizerischen Bündnerland unter die Latten zu nehmen, käme er (oder sie!) einskiig nicht weit. Aber, lieber herwig, als Salonski genügt einer! Ich jedenfalls könnte ihn mir gut als Kunstobjekt im Entrée vorstellen!
ich fand es großartig, dass Sie aus der fernen Großstadt Hamburg zu uns in die fränkische Provinz gekommen sind. Sie haben mit der Lesung aus Ihren fulminanten „ Bekenntnissen eines Mittdreißigers“ ein wenig vom Geist der großen weiten Welt in unsere ländliche Region getragen und damit eine ganze Reihe von Diskussionen in kleineren Kreisen (wenn auch nicht im Salon!) angeregt, die – generationenübergreifend - zum Teil recht kontrovers verlaufen sind. Vielleicht interessiert Sie das Echo, das Sie bei uns hervorgerufen haben.
Denn zunächst mag es für Sie ein wenig enttäuschend gewesen sein, dass unmittelbar nach der Lesung nur so wenige qualifizierte Fragen zu Ihrem Text gestellt wurden. Aber vielleicht sind Sie daran schon gewöhnt. Obwohl ich Ihr Buch schon vorab gelesen hatte, war auch ich – wie fast alle anderen Zuhörer - überfordert, auf einzelne, zum Teil durchaus provozierende Aussagen in Ihrem Text unmittelbar einzugehen. Zuviel stürmt da in relativ kurzer Zeit auf den Hörer ein und um dazu Stellung zu nehmen und Fragen zu formulieren braucht ein im Diskutieren weniger Geübter als Roland Zimmermann einfach viel mehr Zeit. Außerdem sind wir ja eine Slow-City und dadurch gewohnt, eher mit Bedacht zu reagieren. Ich habe inzwischen Ihr Buch noch einmal gelesen. Das ist bei dem anspruchsvollen Text durchaus notwendig. Dadurch - und auch durch die persönliche Begegnung mit Ihnen während und nach der Lesung - habe ich manche Dinge neu sehen und verstehen gelernt.
Sie haben für Ihr ZEIT-Dossier „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ja schon einmal Fühlung mit unserer Region aufgenommen und wissen dadurch selbst, dass im ländlichen Bereich ein völlig anderer Umgang mit der Zeit vorherrscht und dass man zu anderen Lebensfluchten greift, als in der Großstadt. Für uns sind Ihre Schilderungen eher wie Botschaften aus einer fernen Welt. Zwar hat man im Medienzeitalter auch im hintersten Winkel unserer Republik die Möglichkeit, teilzunehmen am allgemeinen großen Palaver – wenn man daran überhaupt interessiert ist. Laufen solche Typen, wie Sie sie in Ihrem Kapitel „Die Gattung der ICHlinge“ schildern, in Hamburg wirklich massenhaft herum? Die Mittdreißiger hierzulande dürften sich darin eher nicht repräsentiert zu sehen. Hier ist es noch durchaus üblich, sich aktiv in einem Sportverein zu engagieren, zu wöchentlichen Probeabenden von Musikgruppen zu gehen, seine Freizeit im Umweltschutz, in der Freiwilligen Feuerwehr, in der Nachbarschaftshilfe, beim Tierschutz, beim Roten Kreuz oder mit der Betreuung benachteiligter Kinder zu verbringen. Hier räumt ein Handwerksbetrieb noch seine Werkstatt aus, um einer Lesung eines ZEIT-Autors auf hohem Niveau Raum zu geben. Daneben gibt es allerdings durchaus eine gewisse Schicht, die weitgehend den von Ihnen in dem Kapitel „Die Rückkehr der Spießer“ aufs Korn genommenen Typen entspricht Der Rest verharrt in reinem Stumpfsinn.
Das dürfte in Hamburg oder Berlin nicht anders sein, nur wird der Stumpfsinn in Großstädten etwas andere Ausprägungen zeigen. Die Zukunft unseres Landes wird jedoch nicht nur von den ICHlingen, den „Yuppies“ und „Dinks“ und den neuen Spießern gestaltet werden , sondern weitgehend auch von dem Verhalten der sogenannten Unterschicht. Deshalb wäre es gut, wenn Sie in einem Nachfolge-Buch „Deutschlandvermessung “ auch darauf eingehen würden. Dass Sie zuhören und sich auch in Verhältnisse , die Ihnen nicht so vertraut sind, einfühlen und hineindenken können und dass Sie vor allem in der Lage sind, die daraus gewonnen Erkenntnisse auch in adäquate Worte zu fassen, das haben Sie mit Ihren „Recherchen“ schon hinreichend bewiesen, auch wenn die Lebensfluchten, die auf dem Land üblich sind, Ihnen eher fremd sein werden.
Im Übrigen: Das Kapitel „Das deutsche Testament“ ist das Subtilste, Stimmigste und Wahrhaftigste, das ich zu diesem schwierigen Thema je gelesen habe. Und nun freue ich mich auf Ihr Türkeibuch, das ich mir morgen kaufen werde. Ich hoffe, Sie kommen wieder einmal zu einer Lesung nach Hersbruck. Achja: Wie Sie vielleicht schon erraten haben, ich bin die Omi , die mit Schwiegertochter und Enkelin bei Ihrer Lesung war, die Enkelin konnte jedoch nicht mehr mitdiskutieren, denn sie musste jobben gehen. Erinnern Sie sich? Aber das generationenübergreifende Gespräch haben wir am nächsten Tag nachgeholt. Mit herzlichen Grüßen aus der Provinz,
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