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Bücher

  • Uwe Timm: Der Freund und der Fremde

    Uwe Timm: Der Freund und der Fremde
    Es geht nicht nur um den 1967 bei der Anti-Schah-Demonstration erschossenen Benno Ohnesorg, der ein Freund des Autors war. Es geht um das Gefühl einer Generation, den Gründen für die Suche nach nicht nur literarischer Befreiung. Uwe Timm hat bei uns 1995 noch in der Hersbrucker Werkstatt aus "Die Entdeckung der Curyywurst" gelesen und seitdem mögen wir ihn einfach. Seine Sprache, sein Denken und den Menschen. Das Weblog Perlentaucher hat ausführliche Rezensionen gesammelt

  • Heinz und Karl Heinlein, Dres. Andreas und Claudia Hemp, Dr. Rainer Schöller, Michael Scholz, Gerhard Schütz, Rainer Wölfel: "Hutanger Natur und Kulturerbe mit Zukunft"

    Hutanger_1

    Dieses Buch muss die Pflichtlektüre für die Bewohner der Hersbrucker Alb werden. 20 Jahre mühsame, aufreibende, engagierte und vor allem erfolgreiche Arbeit für die Lebensqualität in der Hersbrucker Alb sind ehrlich, historisch und wissenschaftlich dokumentiert. Aber das wichtigste: Zukunftspläne werden vorgestellt, die so naheliegend und logisch sind, dass man sich wundern muss, warum noch nicht alle an deren Umsetzung arbeiten. Theatralische Besprechung im Weblogbeitrag mit allen Links, zu kaufen in der Buchhandlung Lösch oder im Pfeiffer-Verlag.
  • Verlag für moderne Kunst Nürnberg: "Fußball:Kunst"

    Fussball_kuns

    Selbst für Leute, die Fußball nicht mögen ist dieser 52-seitige Kalender eine echte Freude, nicht nur wegen der Fotos, Cartoons und Bilder, sondern vor allem wegen des Vorworts und der Sprüche. Alle Infos im Weblogbeitrag
  • Stefan Münz: Professionelle Websites - Programmierung, Design und Administration von Websiten

    Ein Urvater des webdesigns hat auf knapp 1000 Seiten den aktuellen Rundumschlag über die websites gewagt und war erfolgreich. Die wichtigsten Werkzeuge und Tipps für moderne Firmenauftritte sind dort nachzulesen. Hoffentlich können wir das bald umsetzen. Die Website zum Buch

  • Kurt Albert: Fight Gravity

    Fight_gravity_buch_1Für Kletterer ein absolutes Muss, es ist in diesem Beitrag beschrieben, auch die Bezugs möglichkeiten. Ein Blogger aus der Kletterszene schrieb das dazu.

  • Robert Harris: Pompeji

    Robert Harris: Pompeji
    Umweltpolitisch, technisch und geologisch interessante Intrige und Naturkatastrophe aus dem Jahr 79. n. Christus, empfohlen - 200 Tage vor Weihnachten - von Bernd Steisslinger, Dekra Umwelt GmbH.

  • Anthony Bourdain: Ein Küchenchef reist um die Welt

    Anthony Bourdain: Ein Küchenchef reist um die Welt
    Wer (berufsbedingt?) "Geständnisse eines Küchenchefs" gelesen hat, will natürlich auch Anthonys Reise miterleben, aber da ist was anders: ein ganzes Kamerateam nimmt das Feeling von Abenteuer schon gewaltig zurück. Trotzdem ist das Buch nicht zuletzt wegen der (nicht ganz neuen) Erkenntnis lesenswert, dass das perfekte Essen durchaus aus dem Sternerestaurant, in passender Stimmung aber auch aus der Bauernkneipe oder sogar völlig versalzen von der neuen Freundin stammen könnte.

  • Oekom Verlag und Unternehmensgrün: Zukunftsfähige Unternehmen

    Oekom Verlag und Unternehmensgrün: Zukunftsfähige Unternehmen
    Gute Zusammenfassung von Nachhaltigkeitskriterien mit besonderem Focus auf der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Es ist auch eine Seite über die Möbelmacher drin, aber das Buch lohnt sich trotzdem, bzw. wegen der vielen Ideen der anderen vorgestellten Unternehmen. Beim Verlag direkt bestellen: http://www.oekom.de/verlag/german/books/zuk-unternehmen.htm wir haben glaube ich auch noch zwei ...

  • Ralf Birke und Klaus Karl-Kraus: "Der Berg - Das Phänomen Erlanger Bergkirchweih
    Das Buch zum 250. Geburtstag der Erlanger Bergkirchweih. Großformat, Festeinband, 184 Seiten, über 250 Bilder. ISBN-Nr. 3-9806982-9-7 Erhältlich im örtlichen Buchhandel oder direkt beim Verlag bestellen@edition-spielbein.de zum Preis von EUR 24,90 inklusive Mehrwertsteuer. Wunderschöne Bilder von Mile Cindric und einfühlsame Texte von Ralf Birke (Des hädd I fei echd ned dacht, dass der des asu goud ko- Anm. d. Red)
  • Werner Gaede: Abweichen von der Norm

    Werner Gaede: Abweichen von der Norm
    Unglaublich ausführlicher und inspirierender Wälzer im Großformat - 750 Seiten! Wer wie wir seine eigene Werbung nicht merh sehen kann, sollte sich hier Anregungen holen. Jede Seite ist ihr Geld wert. Mehr dazu: http://www.methode.de/bu/dmb/tigaed2.htm

  • Hans-Georg Häusel: Brain Script

    Hans-Georg Häusel: Brain Script
    Geniale Pflichtlektüre für alle, die mit Kaufen, Verkaufen oder anderen Entscheidungen zu tun haben. Sogar geeignet um eigene Entscheidungen nachträglich verstehen zu können. Hirnforschung auf lesbaren Niveau.

  • PETER, Jr. JIRMANN: Xpose

    PETER, Jr. JIRMANN: Xpose
    Viele Bilder sind mit unserem Licht, unseren Möbeln und Hintergründen fotografiert worden, klar dass das Buch toll ist. Siehe auch Artikel im Weblog: http://nachhaltigkeit.blogs.com/nachhaltig/2005/04/peter_jirmann_j.html

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30. August 07

Vom Salongespräch zum Salonski

Aliceniklausbearbeitet von Alice Niklaus

Als ehemalige leidenschaftliche Skifahrerin machte ich mich nach der Lesung auf, den Zweydingers-Ski anzuschauen. Was mich am Treppenende anlachte, war einfach umwerfend. Strahlend schön hinten und vorn. WSki_furnier_apfel300_2enn ich an die Holzski meiner Kindheit denke... Allerdings, da steht nur  e i n  Ski. Falls jemand auf die Idee kommen könnte, in ein paar Wochen die Abfahrt vom Aroser Weisshorn im schweizerischen Bündnerland unter die Latten zu nehmen, käme er (oder sie!) einskiig nicht weit. Aber, lieber herwig, als Salonski genügt einer! Ich jedenfalls könnte ihn mir gut als Kunstobjekt im Entrée vorstellen!

+++++++++++

Alles über den Holzski der Möbelmacher

Holzski im Weblog

Artikel in der Hersbrucker Zeitung "Salongespräch"

Artikel von Alice Niklaus über das "Salongespräch"

Über die Lesung mit Christian Schüle:

Zum Artikel Christian Schüle las aus der "Deutschlandvermessung"
Zum Artikel "Deutschlandvermessung" in Unterkrumbach
Zu der Sonderseite auf unserer Homepage

 

28. August 07

Multistakeholderforum beim Rat für nachhaltige Entwicklung verwundert bei Anmeldung

Auch wenn es einer der schlimmsten Namen für eine Veranstaltung ist, die ich je besuchen wollte - "Multistakeholderforum" - wollte ich doch dabei sein, weil man dort sicher einiges lernen kann, interessante, altbekannte oder sogar beide Eigenschaften vereinende Menschen trifft und vielleicht auch was sinnvolles tun kann. Allerdings kollidiert der Termin wie immer mit anderen Terminen, so dass man eine Weile abwägt, was wohl wichtiger sei und sich dann doch zur Anmeldung in Berlin entscheidet, ganz so, wie es auf der persönlichen Einladung von Dr. Günther Bachmann, Geschäftsführer Rat für Nachhaltige Entwicklung, stand.

Dann versucht man den Rest drumrum zu organisieren: auf dem Weg nach Berlin könnte man bei Kirstin Walther vom Saftblog vorbeischauen und ein paar Fotos für unser Jahrbuch von dem tollen Konferenztisch machen, einige Kunden in Berlin besuchen und vielleicht sogar unseren ultimativen Holzski in der Skihalle testen, was man aber nach wenigen Gedanken aus ökologischen Gründen wieder verwirft. Außerdem fragt man ein paar Leute, ob sie auch kommen, zum Beispiel Mareke Wieben von Ikea, die mit ihrer ganzen Ikea Greentruppe aus ganz Deutschland bei uns zu Gast war, und natürlich will man auch mal schauen, ob Ralph Schmidt-Pleschka oder Steffi Schmidl von der Verbraucherinitiative da sind, ob man mal bei der Taz reinschaut, Judith Polterauer von der aktiven Bürgerschaft besucht oder oder oder.

Dann kommt eine "Eingangsbestätigung" per Mail, in der diplomatisch klargemacht wird, dass man erst mal wartet, wer sich alles anmeldet, um dann nur zwei Wochen vorher zu entscheiden, wer kommen darf und wer sich über zwei plötzliche freie Tage freuen darf. So begründet:

"Für einen konstruktiven Dialog und eine weiterführende, nachhaltige Prozessgestaltung ist die Teilnahme möglichst vieler, unterschiedlicher Akteure – Unternehmen, Nicht-Regierungs-Organisationen, Politik, Wissenschaft und Beratung – sowie die gleichmäßige Verteilung auf diese Gruppen wichtig.

Wir bitten Sie deshalb um Verständnis, dass wir Ihre Teilnahme erst nach Überprüfung der Daten endgültig bestätigen können. Wir werden Sie nach Ablauf der Anmeldefrist (14.9.2007) informieren."

Hammer1000 (Den Hammer auf dem Foto haben wir für einen Bloggerkollegen bei der Staatsanwaltschaft gebaut, aber hier passt der Hammer ja auch ganz gut)

Na gut, das klingt natürlich nicht völlig unlogisch, allerdings wäre das ja auch ganz leicht möglich, in dem man für jede Gruppe nur eine bestimmte Anzahl von Plätzen freihält, die dann nach Anmeldeeingang besetzt werden. Vielleicht will sich der Veranstalter aus den "Bewerbungen" die raussuchen, die ihm am besten in den Kram passen, auf dass der Dialog genau so konstruktiv wie geplant wird aber auch nicht noch konstruktiver?  Oder er sucht nach einer Möglichkeit, wie er sich altbekannte Nörgler vom Leibe halten kann, oder Chefs von kleinen Dorfschreinereien oder großen Handykonzernen? Und wozu müssen meine Daten eigentlich überprüft werden, nachdem ich mein Gewicht nicht angeben musste, sind eigentlich alle ganz korrekt. Keine Ahnung, man wäre sicher nicht so verwundert, wenn das seltsame Verfahren vorher angekündigt gewesen wäre, aber so? Wer sich "Nachhaltigkeit" auf´s Rat schreibt, soll natürlich auch auf die Transparenz achten. Werden wir dann informiert, wer kommen durfte und wer nicht und warum? Vielleicht hat ja auch alles seine guten Gründe, wenn ich sie erfahre, werde ich sie weitergeben ...

Nachtrag vom 5.9.07:

Fairerweise die Antwort der Veranstalter gleich hier im Artikel:

++++++++++++++++++++++++


Sehr geehrter Herr Danzer,

wie am Telefon bereits erläutert, haben wir auf die Einladung zum Multistakeholderforum eine erfreulich große Resonanz erhalten. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten ist die absolute Teilnehmerzahl begrenzt und die aktuelle Zahl der Anmeldungen liegt bereits über den räumlichen Kapazitäten. Zudem wollen wir eine möglichst breite Streuung unter den Teilnehmenden erreichen und möchten, dass verschiedene Akteursgruppen (Unternehmen, NGOs, Politik, Wissenschaft) relativ gleichmäßig repräsentiert sind.

 

Da wir bereits eine große Zahl an Anmeldungen von Unternehmen hatten, haben wir Ihre Teilnahme nicht sofort bestätigt. Wir haben hingegen versucht, bei denjenigen Organisationen, die sich mit mehreren Personen angemeldet haben, dafür zu werben, dass sie zugunsten von weiteren Teilnehmer/innen ihre Anmeldung zurück ziehen. Dies ist gelungen und es gibt wieder einige freie Plätze für Nachrücker/innen.

Ich freue mich daher, Ihnen die Teilnahmemöglichkeit zu bestätigen und hoffe, Sie am 27. und 28. September in Berlin zu treffen.

 

Ich bitte um Verständnis für das Vorgehen und hoffe, dass die Ausführungen dazu beitragen, Ihre Empörung auszuräumen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Esther Hoffmann

 

Dipl.-Ing.

Esther Hoffmann

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gGmbH

(Institute for Ecological Economy Research)

 

Leiterin Forschungsfeld Ökologische Unternehmenspolitik

Head of Research Field Corporate Environmental Management

 

Potsdamer Str. 105

D- 10785 Berlin

esther.hoffmann@ioew.de

fon +49 (0)30-884594-22

fax +49 (0)30-8825439

www.ioew.de

++++++++++++++++++++++

Ist o.k. so, im Prinzip hätte es aber auch ein "sind leider schon voll, wir setzten Sie auf die Warteliste" getan, aber so können wir auch damit leben. 

 

27. August 07

Das neue Möbelmacher-Baby ist da: Moritz Winter

von Nina Schoproni

Moritz_3Diese Mail, von Stefan Winter (hat gerade "Baby-Urlaub"), kam letzte Woche bei mir an, das Bild ganz unten ist noch von der guten Form vor ein paar Wochen:

Hallo liebe Möbelmacher,

Moritz Winter hat uns am Sonntag, den 19.08.2007 um 17.15 Uhr nach einer kurzen aber intensiven Geburt glücklich gemacht. Wir sind zuhause  ihr könnt aber gerne anrufen, Nina und Moritz brauchen noch viel Ruhe und müssen erst die neuen Stefan_moritz_2Eindrücke verarbeiten. Ich habe übrigens auch alles gut überstanden, aber das interessiert ja eh keinen.

Die Maße von unserem kleinen:
   53 cm Lang
3670 gr schwer und unmessbar süß!!!

also danke schon mal für die lieben grüße
stefan, nina & moritz

Img_8897

26. August 07

Massivholzmöbel der Möbelmacher gewinnt "Die Gute Form 07"

Img_889081 Besucher waren gemeldet,
113 waren gekommen,
nimm Wasser zur Suppe,
heiß alle willkommen.

Eine schlechte Wirkung auf die Reichweite des Buffets, aber eine ausgesrochen gute auf den Wert dieser zweiten Veranstaltung, die Freisprechungsfeier der Schreinerlehrlinge und den Gestaltungswettbewerb "Die Gute Form" zusammenlegte.

Img_8845 Nach den Begrüßungen durch Sparkassengastgeber Herrn Legat und Innungs-Obermeister Heinz Oppel, begann Prof. Dr. Klöcker seine ausgiebige Rundreise durch die Welt der Gestaltung. Dabei scheute er sich auch nicht vor den Umwegen: zum Beispiel einen weitreichenden über angemessene, versus unpassender Kleidung, einen sanften über die Gleichheit von BMW und Opel und einen kurzen über die Auswahl von Freundinnen nach deren Haarfarbe. Sogar das dafür geeignete Schuhwerk wurde in den Designcrashkurs einbezogen. Als am Horizont langsam das Ziel der Prämierung der guten Möbelgestaltung erkennbar wurde, band er die Schöpfer der Möbeleinzelstücke geschickt mit ein. Unseren Lehrling Erhard Gahl fragte er nach den Gestaltungsideen seines belobigten Sideboards, was der mit dem „Kontrast von hellen massivem Spitzahorn zum dunklen Granit“ und mit „eleganter Edelstahllisene“ begründete. Schwieriger wurde die Frage nach der Motivation der vermeintlich missglückten Holzmaserichtung und weil wir das Thema schon seit Jahren kontrovers diskutieren hier ein kleiner Exkurs dazu, zum Überblättern für Nichtdesigner:

Img_8888 Prof. Klöcker hat an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm studiert, die direkt in der Bauhaustradition steht. Deren Forderung nach der durchgehenden Holzmaserung – senkrecht oder waagrecht – in einem Möbelstück ist mit Plattenmaterial durchaus nachvollziehbar, bei Massivholzmöbeln muss aber gleichzeitig auf eine materialgerechte Verwendung geachtet werden. Massivholz arbeitet fast nicht in Längsrichtung, sehr stark aber quer zur Maserung. Deshalb wird bei Massivholzmöbeln immer die größere Länge einer Fläche automatisch auch zur Maserrichtung, weil alles andere nicht den Eigenschaften des Materials entsprechen würde, und das seit hunderten von Jahren. Einzig unsere Verarbeitung von Massivholzfronten mit eingelassenem Edelstahlstab lässt zum Beispiel bei Küchenfronten eine durchgehende Quermaserung zu, aber die wäre bei Erhards Gesellenstück mit deutlichen Risiken bei der zwischen Sommer und Winter wechselnden Fugenbreite verbunden. Deshalb wählte er die klassische Methode mit Rahmen (der ändert seine Größe nicht) und senkrechter Füllung, was zumindest wir auch völlig korrekt finden, wenngleich wir wie schon seit vielen Jahren auf der Suche nach der Versöhnung des Bauhauses mit Naturmaterialien und Massivholzmöbeln sind. Excurs Ende, aber hoffentlich noch nicht der befruchtenden Diskussion darüber.

Mit einer in der Jury heftig diskutierten „Verweilbank“ (Schreinerei Schmidt) ging es zum dritten Platz, den zweiten dritten Platz (einen zweiten Platz wollte die ‚Jury aufgrund des hohen Abstandes zum ersten Platz nicht vergeben) machte ein Couchtisch aus Nuss- und Apfelbaum, der eine raffinierte Mechanik zum Wegschieben und -klappen der halben Tischplatte hatte (Kunstschreinerei von Hanstein). Das Gespräch mit den (Nochnicht-)Schreinern war interessant und als letzter musste sich unser Christian Habenstein für seinen ersten Preis einiges über die falsche Größe seiner Abdeckplatte aus Glas anhören.  Das steckte er locker weg, war er doch gleichzeitig auch noch Innungsbester geworden, genau wie seine beiden Brüder vor ihm.

Img_8830 Die Innung, das ganze Schreinerhandwerk und auch die Gäste haben durch die lange um die Entscheidung ringende Jury und die Designreise des vortragenden Ingo Klöcker was dazu gelernt. Wie nach eine Wanderung freut man sich danach an den Erlebnissen, die man während des nicht immer leichten Weges noch nicht zu schätzen wusste. Der große Dank für diese ehrenamtlich investierte Freizeit gebührt neben Klöcker vor allem auch Dr. Anna Scholz (Pharmazeutin und Künstlerin), Diplomdesignerin Angelika Eisenbrand, dem Fachlehrer der Berufsschule Lebrecht Müller, dem Innenarchitekten Paul Ban, dem Architekten Wolfgang Ganser (und den Jurymitgliedern aus früheren Jahren wie dem Stadtbaumeister Hersbruck Lothar Grimm, den Architekten vom Atelier 13 Thiel und Holzinger.)

Noble Geste der Jury

Img_8894 Es ist eine (verständliche, aber schwierige) Regel, dass nur Gesellinnen oder Gesellen an der guten Form teilnehmen dürfen, die auch Mitglied in der Innung sind. Diesmal traf es tragischerweise  eine Gesellin, die sonst sicher einen Preis ergattert hätte, was zur Bewerbung um ihren Studienplatz sehr hilfreich gewesen wäre. Kurzerhand nahm die Jury ein Blatt Papier und schilderte darin ihre Meinung zur  Qualität und Preis-Würdigkeit ihrer Arbeit. Fand ich klasse. 

Die gute Form ist die einzige Veranstaltung, bei der sich die heimischen Schreiner zusammen und durch die Gesellenstücke auch kompetent präsentieren. Deshalb wäre es durchaus wünschenswert das nicht zuletzt durch die nicht immer begeisternden Reden der Politiker auf hohen Niveau ablaufende Freisprechungsfeier im nächsten Jahr noch schicker darzustellen. Vielleicht sollte man den jungen Menschen ja eine Sekt oder Cocktailbar anbieten, wenn fast alle Prüflinge im Anzug erscheinen? Muss ja nicht sein, aber vielleicht würde es nicht nur im Nachhinein auch ihnen selbst noch mehr Freude machen.

Kleiner Wermutstropfen: im Zeitungsartikel der Pegnitzzeitung wurden die Betriebe nicht erwähnt, die die preisgekrönten Gesellen ausgebildet hatten. Das ist ja, wie wenn ich einen Tour de France Gewinner auszeichne, ohne sein Medikament zu veröffentlichen.

23. August 07

Nachricht aus der Provinz - zur Lesung mit Christian Schüle

von Gerda Münzenberg

Lieber Christian Schüle,

ich fand es großartig, dass Sie aus der fernen Großstadt Hamburg zu uns in die fränkische Provinz gekommen sind. Sie haben mit der Lesung aus Ihren fulminanten „ Bekenntnissen eines Mittdreißigers“ ein wenig vom Geist der großen weiten Welt in unsere ländliche Region getragen und damit eine ganze Reihe von Diskussionen in kleineren Kreisen (wenn auch nicht im Salon!) angeregt, die – generationenübergreifend - zum Teil recht kontrovers verlaufen sind. Vielleicht interessiert Sie das Echo, das Sie bei uns  hervorgerufen haben.

Denn zunächst mag es für Sie ein wenig enttäuschend gewesen sein, dass unmittelbar nach der Lesung nur so wenige qualifizierte Fragen zu Ihrem Text gestellt wurden. Aber vielleicht sind Sie daran schon gewöhnt. Obwohl ich Ihr Buch schon vorab gelesen hatte, war auch ich – wie fast alle anderen Zuhörer -  überfordert, auf einzelne, zum Teil durchaus provozierende Aussagen in Ihrem Text unmittelbar  einzugehen. Zuviel stürmt da in relativ kurzer Zeit auf den Hörer ein und um dazu Stellung zu nehmen und Fragen zu formulieren braucht ein im Diskutieren weniger Geübter  als Roland Zimmermann  einfach viel mehr Zeit. Außerdem sind wir ja eine Slow-City und dadurch gewohnt, eher  mit Bedacht zu reagieren. Ich habe inzwischen Ihr Buch noch einmal gelesen. Das ist bei dem anspruchsvollen Text durchaus notwendig. Dadurch -  und auch durch die persönliche Begegnung mit Ihnen während und nach der Lesung - habe ich  manche Dinge  neu sehen  und verstehen gelernt.

Sie haben  für Ihr ZEIT-Dossier „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ja schon einmal Fühlung  mit unserer Region aufgenommen und wissen dadurch selbst, dass im ländlichen Bereich ein völlig anderer Umgang mit der Zeit vorherrscht und dass man zu anderen Lebensfluchten greift, als in der Großstadt.  Für uns sind Ihre  Schilderungen eher wie Botschaften aus einer fernen Welt. Zwar hat man im Medienzeitalter auch im hintersten Winkel unserer Republik die Möglichkeit, teilzunehmen am allgemeinen großen Palaver  – wenn man daran überhaupt interessiert ist. Laufen solche Typen, wie Sie sie in Ihrem Kapitel „Die Gattung der ICHlinge“ schildern, in Hamburg wirklich massenhaft herum? Die Mittdreißiger hierzulande dürften sich darin eher  nicht repräsentiert zu sehen. Hier ist es noch durchaus üblich, sich aktiv in einem Sportverein zu engagieren, zu wöchentlichen Probeabenden von Musikgruppen zu gehen, seine Freizeit im Umweltschutz, in der Freiwilligen Feuerwehr, in der Nachbarschaftshilfe, beim Tierschutz, beim Roten Kreuz oder mit der Betreuung benachteiligter Kinder zu verbringen. Hier räumt ein Handwerksbetrieb noch seine Werkstatt aus, um einer Lesung eines ZEIT-Autors auf hohem Niveau Raum zu geben. Daneben gibt es allerdings durchaus eine gewisse Schicht, die weitgehend den von Ihnen in dem Kapitel „Die Rückkehr der Spießer“ aufs Korn genommenen Typen entspricht  Der Rest verharrt in reinem Stumpfsinn.

Das dürfte in Hamburg oder Berlin nicht anders sein, nur wird  der Stumpfsinn in  Großstädten etwas andere Ausprägungen zeigen. Die Zukunft unseres Landes wird jedoch nicht nur von den ICHlingen, den „Yuppies“ und „Dinks“  und den neuen Spießern gestaltet werden , sondern weitgehend auch von dem Verhalten der sogenannten Unterschicht. Deshalb wäre es gut, wenn Sie in einem  Nachfolge-Buch „Deutschlandvermessung “ auch darauf eingehen würden. Dass Sie zuhören  und sich auch in  Verhältnisse , die Ihnen nicht so vertraut sind, einfühlen und hineindenken können und  dass Sie vor allem in der Lage sind, die daraus gewonnen Erkenntnisse auch in  adäquate Worte zu fassen, das haben Sie mit Ihren „Recherchen“ schon hinreichend bewiesen, auch wenn die Lebensfluchten, die  auf dem Land üblich sind, Ihnen eher fremd sein werden.

Im Übrigen: Das Kapitel „Das deutsche Testament“ ist das  Subtilste, Stimmigste und Wahrhaftigste, das ich zu diesem schwierigen Thema je gelesen habe.
Und nun freue ich mich auf Ihr Türkeibuch, das ich mir morgen kaufen werde.
Ich hoffe, Sie kommen wieder einmal  zu einer Lesung nach Hersbruck.
Achja: Wie Sie vielleicht schon erraten haben, ich bin die Omi , die mit Schwiegertochter und Enkelin bei Ihrer Lesung war,  die Enkelin konnte jedoch nicht mehr mitdiskutieren, denn sie musste jobben gehen. Erinnern Sie sich? Aber das generationenübergreifende Gespräch haben wir am nächsten Tag nachgeholt.
Mit herzlichen Grüßen aus der Provinz,

Gerda Münzenberg

Hier ist Christian Schüles Antwort

Zum Artikel Christian Schüle las aus der "Deutschlandvermessung"
Zum Artikel "Deutschlandvermessung" in Unterkrumbach
Zu der Sonderseite auf unserer Homepage

22. August 07

Tag der Kueche am Samstag, dem 8.September 07 von 10 bis 17 Uhr

Tag_der_kche_plakat1000 Kochen mit Freu(n)den

am Tag der Küche 2007 in unseren Massivholzküchen der Ausstellung

Am 8. September kochen wir mit unseren Kunden die tollen Saiblinge von der Fischzucht Rauh. Wir filetieren gemeinsam, schneiden die Haut weg, rollen die sauberen Filets mit Kräutern ein und wickeln die vorher abgeschnittene Haut wieder rum, und garen die köstlichen Röllchen im Dampfgarer.Saiblingrllchenbernhardrei Natürlich machen wir aus den Karkassen einen Fonds, machen noch ein paar Baggers dazu und trinken nen köstlichen Silvaner von Manfred Rothe.

Wer Lust hat mitzumachen und sich für die Vorteile von Massivholzküchen, Dampfgarern, Tepan Yakis und Induktionskochfeldern interessiert, sollte so gegen 11 Uhr da sein, sicher machen wir auch noch ne zweite Runde so zwischen 14 und 15 Uhr.

Br_teamaufessen1000Erstmals live gekocht haben wir so ähnlich am 3.10.2004 für den Bayerischen Rundfunk in der Frankenschau mit Bernhard Reiser in unserer Frankenschauküche im Fernsehgarten des BR. (Uralte Fotogalerie) Auf dem Foto erkennt man auch deutlich, dass es Matthias Rex und seinem Team geschmeckt hat.

Das Original-Rezept ist noch immer in unserer Rezeptdatenbank zu finden.

Genaueres auf der Tag-der-Küche-Sonderseite der Möbelmacherhomepage.

Bildergalerie zum Tag der Küche aus Massivholz bei sevenload.

Alles über die Massivholzküchen der Möbelmacher auf der homepage
Die neue Miele-Titan-Möbelmacher-Massivholzküche
Unsere Massivholzküche war vor Stoiber in Berlin (und blieb länger)

Küchenmontage in Berlin

Die Massivholzküche von Familie Müller in München

Die Symposien der Ernährungsexperten:

für die Generation 50 Plus am Schwielosee

Kräuterkunde im Krummbachtal bei Fulda

zum Thema Kinderernährung in der Wurzschleife in der Oberpfalz

Det Müller lobt die Möbelmacher im Lohas-Blog - Lohas Treffen in Frankfurt

Unter dem Titel "LOHAS & moderne Schreiner" schreibt Det Müller einen Artikel voll des Lobes über die Möbelmacher. Was uns dabei besonders freut, ist die Betonung der für "Lohas" (Lifestyle of Health and Sustainibility) wichtigen Kriterien, wie sozialer Verantwortung undLohasscreenshot_2 ökologischem Anspruch, der sonst meist hinten runter fällt.
Er beschwert sich ein wenig, dass wir so weit weg wohnen, deswegen können wir andererseits aber auch über die Verwechslung von Bayern und Franken großzügig drüber weg sehen. Aber eben nur noch einmal.

Apropos Lohas:

Hier die Pressemeldung von Christoph Harrach, (KarmaKonsum), der am 17. September eine Konferenz der Lohas in Frankfurt in einer Brotfabrik anberaumt, zu der ich auch gerne kommen möchte, obwohl es irgendwie so gar nicht passt:

PRESSEMELDUNG - 2.329 Zeichen - 16. August 2007

Der neue Öko-Lifestyle - Erste deutsche LOHAS-Konferenz in Frankfurt

Gesundheitsbewusst, der Nachhaltigkeit verpflichtet, aber auch modern und technikbegeistert – dies zeichnet die stetig wachsende Gemeinschaft der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) aus. Diese in Amerika bereits etablierte Konsumentenbewegung findet nun auch in Deutschland zum ersten Mal ein Forum: Am 17. September 2007 referieren und diskutieren Experten, Unternehmensvertreter und Autoren in der Brotfabrik Frankfurt über die Ökos der zweiten Generation.

Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Eike Wenzel, Chef-Redakteur des Zukunftsinstituts und Autor der Studie „Zielgruppe LOHAS - Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert”. Folgende Vorträge finden statt: Erfolgsautor Fred Grimm („Shopping hilft die Welt verbessern“) wird über das zentrale LOHAS Thema „Ethischen Konsum referieren. Die Grafik-Designerin und Öko-Bloggerin Andrea Nienhaus wird neue Wege in der nachhaltige Marketingkommunikation vortragen und Patricia Taterra, Marketing Managerin des LOHAS Start-Ups Utopia.de, wird sich dem Thema LOHAS Community annehmen. In anschließenden Gesprächsrunden erhalten Interessierte die Möglichkeit, sich über die neue Öko-Bewegung auszutauschen und zu diskutieren.

Initiiert wird die Konferenz von Christoph Harrach, LOHAS-Experte und Betreiber der Öko-Lifestyle Internetseiten karmakonsum.de und Darren Cooper, Web- Entwickler und Mitorganisator verschiedener Opensource Events. Auf der Internetseite KarmaKonsum.de/konferenz ist ein ausführliches Programm zur Veranstaltung zu finden. Veranstaltungsbeginn ist 18:00 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Sponsoren der Veranstaltung sind Dr. Hauschka Naturkosmetik und Basic Biosupermärkte.

Über LOHAS: "Lifestyle of Health and Sustainability" markiert einen neuen postmodernen Lebensstil, der auch häufig mit die neuen Ökos oder Neo-Greens bezeichnet wird. Kennzeichen von LOHAS ist einerseits das Thema Gesundheitserhaltung und andererseits die konsequent ethische Ausrichtung des Konsums, alles unter Wahrung eines modernen genussorientierten Lebensstils, der auf (fast) nichts verzichtet.

Über KarmaKonsum.de: KarmaKonsum.de ist eine der führenden deutschsprachigen Internetseiten zum Thema LOHAS. Das Nachrichtenportal berichtet im Webblogformat täglich über neue Trends im LOHAS Markt.

Pressekontakt
KarmaKonsum.de - LOHAS & Ethical Marketing Blog
Christoph Harrach
Nordendstrasse 24
60318 Frankfurt
Tel. 0177-6331831
Email: christoph@karmakonsum.de
Internet: www.karmakonsum.de

21. August 07

Alice Niklaus zu "Salongespräch in der Werkstatt"

von Alice Niklaus
(der ursprüngliche HZ-Artikel zur Lesung mit christian Schüle ist hier zu lesen)

Christianpublikum_2 Es gibt nicht nur 30jährige Ichlinge, ich gehöre zu den 70jährigen und habe damit angefangen, mich dem Druck des "Pluralismus" zu entziehen (Wikipedia:
der Begriff Pluralismus bezeichnet die Koexistenz von verschiedenen Interessen und Lebensstilen in einer Gesellschaft).

Zu "Sehnsucht nach Langsamkeit, Substanz, Qualität und Tiefe": Ich habe die Möglichkeit, das Lifekonzert eines bekannten klassischen Orchesters im Strudelbad essender- und plaudernderweise im Freundeskreis unter einem Sternenhimmel zu hören. Ich habe aber auch die Möglichkeit, schwimmen zu gehen, ein Konzert im Konzertsaal zu hören, das Essen im Freundeskreis unter der Pergola zu geniessen und den Sternenhimmel allein zu beobachten. Welche Möglichkeit stillt meine Sehnsucht nach Langsamkeit, Substanz, Qualität und Tiefe wohl am ehesten?

Zu "Diskutieren und nachdenken": Ja, einverstanden, gerne! Nur, wer unter uns über 60jährigen hört zu? Ich stelle fest, dass ich darum kämpfen muss, zu Wort zu kommen. Die Sprache der Langsamen hat keine Chance, gehört zu werden.
Den Schnellrednern und Wortgewaltigen gehört die Zeit, sie stehlen den Nachdenklichen, nach Worten Suchenden den Platz. Die Quantität trampelt die Qualität der Inhalte erbarmungslos nieder - siehe die Talkrunden, die Schüle anspricht.  Die Langsamen geben auf und bleiben auf der Strecke. "Salongespräche" im Sinne des Autors wären möglicherweise ein neuer Anfang, die "geistigen Aktien" einzubringen.

Ich wünsche Christian Schüle etwas mehr Langsamkeit beim Vortragen seiner Texte. Den Inhalt des Buches kannte ich schon vor der Lesung. Das war gut so, denn dem rasanten Tempo des Schriftstellers hätte ich sonst kaum folgen können. Atemlos! Beinah hätte ich sie vergessen, die Frage nämlich: Versteht Christian Schüle unter dem Begriff  "Altersgenossen" Männer und Frauen?

Fazit: Ein sehr interessantes Buch mit Nachhaltigkeit.
Alice Niklaus

Zum Artikel Christian Schüle las aus der "Deutschlandvermessung"
Zum Artikel "Deutschlandvermessung" in Unterkrumbach
Zu der Sonderseite auf unserer Homepage






Salongespräch in der Werkstatt

Katja Bub schrieb, für die heutige Ausgabe der Hersbrucker Zeitung, einen Artikel über die Lesung von Christian Schüle aus seinem Buch "Deutschlandvermessung"

Salongespräch in der Werkstatt

Christian Schüle las bei den Möbelmachern aus seinem Buch "Deutschlandvermessung"

Schle600_5 UNTERKRUMBACH - Christian Schüle hat bei den Möbelmachern im Rahmen der 10. Unterkrumbacher Werkstatt-Tage sein Buch „Deutschlandvermessung “ vorgestellt. Das war zwar alles andere als leichte Kost. Doch BR-Moderator Roland Zimmermann stellte immer wieder kritische Fragen und hakte an schwierigen Stellen nach. Und so verstand das Publikum ohne weiteres Schüles Botschaft und tat schließlich genau das, was der Hamburger mit seiner Lesung bezwecken wollte: diskutieren und nachdenken.

Christian Schüles „Deutschlandvermessung“ oder besser gesagt die „Aufzeichnungen eines alles in allem wohlbehütet aufgewachsenen westdeutschen Bürgers in Sorge um sein Heimatland“ lassen sich nicht zwischen Tür und Angel lesen – mit Absicht. Denn der Autor, der für die Wochenzeitung „Die Zeit“ schreibt, will zum Denken anregen. Mit Argusaugen hat er seine Generation, die Mitt-Dreißiger, unter die Lupe genommen. Die „wuchsen auf, als der Wohlstand prachtvoll blühte und es nichts gab außer Zuversicht“, liest er aus seinem Buch. Das Publikum hört aufmerksam zu. Manch einer nickt leicht, als der Hamburger erklärt, warum er im Jahr 1985 den entscheidenden Wendepunkt sieht, den Beginn der Postmoderne. Verbindliche Lebensentwürfe gab es nicht mehr, alles war möglich, nichts verpflichtend und der „Ichling",

wie ihn Schüle nennt, die voherrschende Gattung: „Die heute Dreißigjährigen sind das erste Kollektiv in Deutschland, das den Pluralismus lebt und verkörpert: den religiösen, ästhetischen, politischen, lebensweltlichen, philosophischen.“ Die fetten Jahren aber sind vorbei, Wirtschaftswunder und soziale Gerechtigkeit zu Traumgespinsten verkommen. „Wir sind die ersten arbeitslosen Akademiker“, betont der Hamburger und liest weiter. „Die, die einen Job haben, schlucken Vitaminpillen und Antidepressiva, um dem Druck am Arbeitsplatz begegnen zu können.“ Zugleich glaubt er bei seinen Altersgenossen eine wachsende Sehnsucht nach Langsamkeit, Substanz, Qualität und Tiefe zu erkennen. Nun sei es an den Mitt-Dreißigern zu entscheiden, welche Gesellschaft sie wollten und unter welchen Bedingungen. Haltung  sei nötig, basierend auf Wahrhaftigkeit, Achtsamkeit, Demut. Jeder habe seine „geistigen Aktien einzubringen in eine Art Berliner Republik GmbH (Gesellschaft mit bewusster Haltung)“, fordert der Zeit-Autor. Sein Plädoyer „fürs kritische Bewusstsein, für Selbstdenkerei, für Haltung“ stößt beim Publikum auf Zustimmung.

Immer wieder stellt Moderator Roland Zimmermann Zwischenfragen, hakt nach, wo Unklarheiten bestehen, und arbeitet so im Zwiegespräch mit Schüle die wichtigsten Thesen des Buches heraus. Auch die slow city Hersbruck bringt er ins Spiel. „Hier wird viel reflektiert – das gefällt mir“, antwortet Schüle. Dennoch wünsche er sich, dass seine Generation mehr Spaß daran finde, miteinander zu reden. Es gelte die Tradition der Salongespräche wieder aufleben zu lassen – ganz egal ob die Teilnehmer dabei auf dem gediegenen Biedermeiersofa sitzen oder auf der modernen Ledercouch lümmeln. Seine Generation habe die Aufgabe, gemeinsam über einen „neuen Bürger“ zu diskutieren. Die Zuhörer erfüllen ihm diesen Wunsch. Noch lange nach der Lesung debattieren sie in Gruppen oder direkt mit dem Autor über dessen „Deutschlandvermessung“, über slow city und die Verantwortung des Einzelnen. Angeregte Gespräche bei den Möbelmachern, umgeben  von heimischem Holz – vielleicht ist das  ja schon der Beginn der geforderten neuen Salonkultur.

Hier der Artikel bei der Hersbrucker Zeitung

Zum Artikel Christian Schüle las aus der "Deutschlandvermessung"
Zum Artikel "Deutschlandvermessung" in Unterkrumbach

Zu der Sonderseite auf unserer Homepage

20. August 07

Diknu Schneeberger Trio bei den Möbelmachern

 Für die Hersbrucker Zeitung schrieb Thomas Raum (selbst hervorragender Musiker) eine feinfühlige Kritik über das Eröffnungskonzert in unserer Werkstatt.Gitarrenfestival600_3

von Thomas Raum

UNTERKRUMBACH — Was der 17-jährige Gitarrist Diknu Schneeberger mit seinem Vater Joschi am Kontrabass und seinem Gitarrenlehrer Martin Spitzer an der Rhythmusgitarre bereits beim Auftaktkonzert des 8. Hersbrucker Gitarrenfestivals dem Publikum boten, ließ keine musikalischen Wünsche offen. Herrlicher Gypsy Jazz und Djangoswing, authentisches Material und Kreationen aus eigener Feder, jedoch im typischen Gewand, fesselten am Samstagabend die Zuhörer bei den Möbelmachern.

„Zeit zu leben, “ mit diesem Motto eröffnete Herwig Danzer den Abend, ganz im Sinne der Slow City Philosophie Hersbrucks, deren Vorzeigeprojekt das internationale Gitarrenfestival sei. „Heute Abend nehmen wir uns die Zeit für Musik, “ so Danzer und verwies auf eine entstehende CD, auf der Künstler des Gitarrenfestivals und talentierte junge Künstler zu hören sein werden und die vom Rotary Club Auerbach unter dem Motto „Völkerverständigung “ und „Förderung der Jugend “ finanziell „angeschoben “ wird. Natürlich könnten sich auch noch Firmen, Serviceclubs und andere Menschen daran beteiligen.

Hersbrucks Bürgermeister Wolfgang Plattmeier fasste sich kurz und begrüßte im Anschluss zahlreiche Ehrengäste, darunter seine Stellvertreterin Brigitta Stöber und den stellvertretenden Landrat Norbert Dünkel und dankte den Sponsoren für deren Unterstützung. „Heute gehört es einfach dazu, “ so Plattmeier über das anfangs noch nicht so angenommene Festival, bei dem es heute immer mehr „Größen “ und „Highlights “ zu hören gibt.Diknuschneebergergitarre100

  Ohne große Worte kurz eingezählt und ab ging die Reise für die Zuhörer. Das Trio um den jungen Nachwuchsgitarristen Diknu Schneeberger, Gitarrenwunder und Virtuose aus Wien, bot ein wahres Feuerwerk an Virtuosität und Spielfreude. Seine Finger flogen nur so über das Griffbrett, absolut perfekt, rhythmisch und sauber was hier geboten wurde. Ein klasse Timing, sehr schönes Melodiespiel, gefühlvoll, ob bei langsamen oder schnellen Stücken. Das erst seit einem Jahr zusammenspielende Trio agiert auf einem Niveau der allerersten Güte.

Ob Stücke von Django Reinhard oder aus eigener Feder, ob interpretiertes Material von Santana oder das durch Chick Chorea bekannte „Light as a feather “ - hochwertiges und schwierigstes Material wird in einer enormen Leichtigkeit dargeboten, die an Birelli Lagrene erinnern lassen. Getragen von seinen beiden Mitspielern stehen dem Solisten Diknu alle Türen offen. Sein filigranes Solospiel zeichnet ihn aus. Ohne Hinzusehen arbeitet sich Diknu Schneeberger leichtfingrig über das ganze Griffbrett, ein Könner, der erst vor dreieinhalb Jahren das Gitarrenspiel begonnen und davor Schlagzeug gespielt hat. „Es kann schon vorkommen das ich die Gitarre ein paar Tage nicht anfasse, “ so ein lockerer Diknu Schneeberger im Gespräch in der Pause, der sich danach noch um das weitere Programm kümmerte. Ganz ohne Allüren, einer zum Anfassen, einer der gerne über sein Spiel spricht und lacht bei der Frage, wie er sich nach nur drei Jahren diese komplexen Stücke merkt und alles aus dem Kopf spielt.Diknuschneebe2gitarre1000_2

Der Abend wird zu einem „Tanz auf dem Griffbrett “. Normalerweise klingt nach einiger Zeit gypsy-Swing jeder Song ähnlich, wie bereits gehört - bei diesem jungen Talent in keinster Weise. Hier hat einer das exakt richtige Gefühl, versteht es mit einer irrwitzigen Leichtigkeit und wirklichen Emotion zu spielen, die jemandem in die Wiege gelegt sein muss und irgendwann ausbricht. Diknu Schneeberger fesselt, weckt Interesse durch sein Spiel, ist ein begnadeter Gitarrist, der den perfekten Ton hat, egal ob im Geschwindigkeitsrausch, im Vordergrund oder in wunderschöner schwülstiger Jazzmanier als Teambegleiter, wie beim „Minor Blues “ oder bei „Sandys Bolero “, dem Stück seines Lehrers Martin Spitzer, der seinen „Schüler “ trägt, aber seine eigenen Soli nicht verstecken muss.

Nach einem letzten, dreigeteilten Stück von Django, Spitzer und „Papa “ Schneeberger reißt es die Zuhörer von den Stühlen und es gibt Beifallsstürme. Nach Zugaben und einem klasse Akustik-Musikabend mit tollen Künstlern und super Sound, ohne mächtig was auf die Ohren, bleiben keine Wünsche offen. Was mag da in dieser Woche noch kommen? Und wie mag dieses junge Übertalent wohl in zehn Jahren spielen? Die CD „Rubina “ des Trios ist jedenfalls jetzt schon ein Leckerbissen und ein Muss für alle Gypsy Fans!
Thomas Raum 20.8.2007

Hier der Artikel bei der Hersbrucker Zeitung

19. August 07

Christian Schüle las aus der "Deutschlandvermessung"

von Anselm StieberAnselmsteiber600

Res publica – die Sache, die uns alle angeht – was ist das? Die Weisen, die beamteten Philosophen schweigen dazu. Die für alles zuständigen Parteien, die steuerfinanzierte Politik also, kümmern sich um die nächste Wahl. Und da kommt das Thema „Res publica“ auch nicht vor.

Wer sich vergangenen Freitag den Luxus erlaubte, nach Unterkrumbach zur Lesung von Christian Schüle zu fahren, ist in dieser Frage klüger. Hinter seinen tiefgründigen, teils spitzzüngigen, immer plastischen, um Genauigkeit bemühten Formulierungen verbirgt sich eine Zustandsanalyse unserer Gesellschaft aus dem Erfahrungsbereich eines Mitdreißigers. Das Ergebnis: um unsere Gesellschaft, um unsere Werte, Vorbilder und Verhaltensweisen ist es schlecht bestellt. Als „Ichlinge“, ratlos, ohne Kriterien, gleichgültig, auf sich bezogen beschreibt er seine Generation. Konsens im Konsum ist das einzig Verbindende. Interessant dabei, Schüles Analyse wurde, wie die Diskussionsbeiträge im Anschluss deutlich machten, als ein vehementer Appell, ein Aufruf an alle wachen, an ihrem Land und seiner Zukunft interessierten Menschen verstanden, gleich welchen Alters.Christianschle2_2

Es geht um den „Auszug aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“, also um Aufklärung. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse und ökonomische Werte allein werden in der Zukunft noch weniger ausreichen, um ein gesundes, selbstbestimmtes wirklich anspruchsvolles, humanes Leben zu führen.

Für manche mag es revolutionär klingen. Eine von Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Achtsamkeit und Demut bestimmte Neuorientierung des bürgerlichen Lebens könnte so ihren Anfang nehmen. Kleinräumig organisiert, getragen von jedem, da, wo er gerade steht. Die Res publica wieder in die Hände der Bürger. Wo sie ja ursprünglich auch hingehört.

Anselm Stieber

Artikel von Gerda Münzenberg zum gleichen Thema

Rezension von Martin Lösch

Wie die Idee zur Lesung entstand

Roland Zimmermann fragt nach

18. August 07

"Deutschlandvermessung" in Unterkrumbach

Publikumrolandchristian76 Menschen waren gekommen um die Lesung und Diskussion mit Christian Schüle und Roland Zimmermann zu verfolgen. Es war spannend, inspirierend und alles in allem ein zukunfstweisender Abend. Die schönste Beschreibung dafür fand Gerda Münzenberg in einer Mail gleich heute früh:

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Christianroland Hallo Herwig, der Abend ist doch wirklich großartig gelaufen. Ich habe schon lange keine Lesung mehr erlebt, die so anregend, lebendig und mitreißend gewesen wäre. Christianpublikum Das kam meines Erachtens zum einen durch die gute Textauswahl zustande und zum anderen durch die mehrmalige Unterbrechung der Lesung, die ja durchaus hohe Anforderungen an das Konzentrationsvermögen der Zuhörer stellte.  Einen nicht geringen Anteil am Gelingen des Abend trug auch Roland Zimmermann bei, der durch seine kurzen, prägnanten und souverän gestellten Fragen die gehörten Ausführungen auf den Punkt brachte. Signieren Ich fand es auch sehr sympathisch, dass beide - Christian Schüle und Roland Zimmermann - sich nach der Lesung nicht davongeschlichen haben, sondern noch so lange zu persönlichen Gesprächen zur Verfügung standen. Die ruhige und freundliche Art des Zuhörens und Eingehens auch auf  provozierende Fragen hat mich wirklich beeindruckt. Ich glaube, die Zukunft der Bundesrepublik lässt hoffen, wenn sie mitgestaltet wird von  Menschen, die es wagen, "Wahrhaftigkeit", "Achtsamkeit" und "Demut" wieder in ihren Wortschatz aufzunehmen, ohne zu fürchten, als antiquiert abgestempelt zu werden.Christianschle3
Hoffentlich werden sie gehört in unserer Gesellschaft des Raubtierkapitalismus, wo die Reichen nur danach trachten, noch reicher zu werden, ohne Rücksicht auf Verluste, welcher Art auch immer.

Gruß Gerda

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Wir bedanken uns ganz herzlich bei Christian Schüle, der die lange Reise von Hamburg nach Unterkrumbach auf sich genommen hat und sich auf die Minute an unseren Zeitvorschlägen orientierte. Er hat wirklich die Menschen aller Altersgruppen begeistert.

Anselmmartinute Besonderen Dank auch an Roland Zimmermann, der mit uns (Anselm Stieber, Ute und herwig Danzer) sogar einen Vorbereitungsabend verbrachte und so perfekt eingearbeitet war, dass er aus der nicht ganz leichten Lesung einen inspirierenden Abend machte. Von allen Seiten wurde seine Moderation gelobt.

Thomasgeiger1000 Dank an alle Mitstreiter (Hersbrucker Zeitung, Gerda Münzenberg, Anselm Stieber) und vor allem die Gäste, die mit ihren Diskussionsbeiträgen und der Anwesenheit zeigten, dass das Hersbrucker Land für die Zukunft gerüstet wäre, wenn auch die Entscheider ein wenig von diesem Geist einfangen würden. Mal sehen.


Dank auch für die Fotos, die meisten sind von Thomas Geiger, photopool.de.

17. August 07

Roland Zimmermann fragt nach - Lesung mit Christian Schüle am Freitag, dem 17. August, 19:00

Waskannhersbrucktun_3 Roland Zimmermann fragt nach

Als Redakteur des Bayerischen Fernsehens ist Roland Zimmermann immer in der Pflicht die Rolle des Publikums zu vertreten und seine Fragen zu stellen: „Was ist ein ICHling?“ wird vielleicht die erste Frage an Christian Schüle sein, aber auch zwischen den Kapiteln der Lesung und besonders bei der Abschlussdiskussion wird er das Ziel des Abends konsequent verfolgen: „Was sollte Hersbruck tun, um die Lebensqualität einer cittaslow für alle Einwohner nachvollziehbar und greifbar zu machen?“

Die Stadt Hersbruck, die Buchhandlung Lösch und die Möbelmacher erhoffen sich von seiner Moderation, den Diskussionsbeiträgen der Gäste und natürlich Schüles Buch „Deutschlandvermessung“ neue Einsichten in die Befindlichkeiten einer Kleinstadt. Dass Lebensqualität auch eng mit der Einrichtung der eigenen vier Wände zusammen hängt, zeigen die Unterkrumbacher an den beiden folgenden Tagen der offenen Tür zwischen 10 und 17 Uhr. Wer schon im Vorfeld Fragen stellen möchte, eigene Gedanken beisteuern oder einfach nur alle bisherigen Texte nachlesen möchte, findet diese Möglichkeit in der Kommentarfunktion des Nachhaltigkeitsblogs der Möbelmacher in der Rubrik „ZEIT zu leben“ unter www.die-moebelmacher.de/weblog.

Deutschlandvermessung - Wie wollen wir leben?

von Martin Lösch

Martinaloesch Christian Schüle, Deutschlandvermessung. Abrechnungen eines Mittdreißigers.

Die Achtziger Jahre waren die für Christian Schüle prägende Zeit. Vier Schlüsselereignisse um und ab 1985 haben den 1970 geborenen Autor nachhaltig beeinflußt wie die Dauerpräsenz Helmut Kohls: Aids, Tschernobyl, Gorbatschow und die Wiedervereinigung. Sie sind Eckpfeiler im Bewußtsein dieser Generation.
Aus der geschichtlichen Rückbesinnung heraus beginnt er die Beschreibung unserer momentanen Alltagskultur.

Die jetzt Dreißigjährigen wuchsen im blühenden Wohlstand auf und es „gab nichts außer Zuversicht“. Ihr Lebensgefühl war beherrscht von der Überzeugung, nichts sei unmöglich. Sie waren an keinerlei Tradition gebunden. Schüle weiß, daß es bald an ihm und seinen Altersgenossen ist, die begrifflose Republik in den Griff zu nehmen, in der alles beliebig und alles erlaubt ist.

Kultur1708lo050807Dazu müssen sie sich selbst neu erfinden, denn die alte Bundesrepublik rheinisch geprägter Politik mit ihrem Versprechen ewiger Absicherung ist seit Gerhard Schröder vorbei. Sie sind die ersten arbeitslosen Akademiker und Opfer der Erosion des Sozialstaats, sie tasten sich voran, richten sich in Intervallen ein, nicht mehr im Leben, denn ein Lebensentwurf hat heute keinen Sinn mehr.
In den Achtzigern begann auch die bis heute fortschreitende Veränderung unserer Kultur durch Privatfernsehen, Computer und Internet, der „man später den Namen Kommunikationsgesellschaft geben würde“.

Sprich, das was man heute als Lebensstil bezeichnet ist nur Konsumstil, man klebt nicht an Ideen sondern an Dingen. Nachdem seit 1985 der Aufklärungsdruck aus der Achtundsechziger-Zeit nachgelassen hat, stören keinerlei ideologische Scharmützel die Selbstentfaltung.
Was damals hinterfragt und neu bewertet wurde ist heute einer Kommerzkultur gewichen, in der Marken zu Götzen und Logos zu Ikonen wurden. Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten änderten sich völlig. Dies gilt auch und im besonderen für unser Verständnis von Politik.
Politik in der „Epoche des Entertainments“ unterliegt den Regeln einer Erregungsindustrie: auf gezielte Erregung, Angst und Wut folgen gezielte Erlösung, Heil und das Gute.
Der deutsche Totalboulevard zwingt das politische Personal, ihre Bühnen zu betreten. Wer das Spiel nicht spielt, hat verloren. „Die Massenmediendemokratie hat die Parteiendemokratie weitgehend ersetzt, das Parlament hat die Aufgabe von Öffentlichkeit und Diskussion an die Talkshow abgegebe n“.  Einsamer Höhepunkt der Politik als „Staatstheaterposse“ war für Schüle die „Vertrauensfrage“ des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder.

Kulturkritik kann mehr sein als die Ironisierung von Defekten. Das zeigt uns Schüle anhand der Rede Richard von Weizsäckers zum 8.Mai 1985. Für ihn ist von Weizsäcker der letzte große intellektuelle Repräsentant der Deutschen. Inzwischen sind über zwanzig Jahre vergangen, ein geradezu erdrückender Beweis für das inhaltliche Vakuum, indem wir uns bewegen.
„Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit“ ist für Christian Schüle das Leitmotiv aus von Weizsäckers Rede. So könnte das enorm gestiegene Tempo der Veränderungen von unserer Gesellschaft und Kultur bewältigt werden, Umsicht und Respekt verändern unser Verhalten und ersetzen den alten Wertekanon, der bisher unseren Umgang mit unserer Vergangenheit und anderen Kulturen bestimmt hat. Er verordnet uns Gelassenheit, und frei nach Friedrich Schiller: Hoffnung und Freude.

Christian Schüles Buch ist ein wichtiger Beitrag zu unserer Kultur der Gegenwart, elegant und pointiert geschrieben, mit viel Lust an der Provokation, der viel Stoff für Diskussionen bietet. Er möchte weg von den Internetforen , denn das persönliche Gespräch ist ihm wichtiger.
Martin Lösch

Christian Schüle, Deutschlandvermessung.
Piper Verlag, 2006., geb. m.SU., 187 S., 16,90 €

Taschenbuchausgabe ebenso Piper Verlag, 8,- €

16. August 07

Newsletter Nr. 33: Werkstatt-Tage vom 17. bis 19. August

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Komfortabler und mit Bildern lesen Sie alle Newsletter in unserem Weblog.

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Rolandzimmermann400Liebe Leute,

das Eröffnungskonzert des Gitarrenfestivals ist komplett ausverkauft, also richtig komplett, nichtmal Grischberla kriegen wir noch unter. Newsletterleser waren mal wieder im Vorteil. Mit großer Spannung erwarten wir am Freitag Abend (19:00 Uhr) Christian Schüle, der zusammen mit dem Moderator Roland Zimmermann vom Bayerischen Rundfunk sein Buch "Deutschlandvermessung" auch im Zusammenhang mit der Slow City Hersbruck diskutieren wird. In seinem Zeit-Dossier schrieb Schüle im Januar drüber, jetzt kann nachgefragt werden. Am Samstag und Sonntag sind wir unter dem Motto "Zeit zu leben" von 10 bis 17 Uhr für Sie da und zeigen das Neueste aus unserer Werkstatt zwischen Ski und Küche.

Apropos Newsletter: Unsere Ankündigung der Ugandareise führte nach kurzen Mails mit Ingrid (Bad und Heizung) Kreuz und Pater Anthony Kibira zu einem Treffen in der Nähe von Masaka und einer gemeinsamen Flugreise von Entebbe nach Amsterdam, bei der wir Anthonies Eltern und Geschwister nicht nur zum richtigen Gate begleiten durften. Und natürlich gab´s gestern ein Folgetreffen in Unterkrumbach. Wie klein ist die Welt?

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Die Themen heute:

1. Alle Texte zur Lesung im Blog

2. Von Ugandas Rindentuch beeindruckt

3. Erster Platz und Belobigung für unsere Lehrlinge

4.
Bioerlebnistage und Grüne Lust


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1. Alle Texte zur Lesung im Blog
 

Unter der Kategorie "ZEIT zu leben" sammeln wir in  unserem Weblog alle Beiträge, Links und Zeitungsartikel zur Lesung, weil wir schon im Vorfeld gerne wüssten, was Sie interessiert. Anselm Stieber, Martin Lösch, Gerda Münzenberg und seltsame Newsletterschreiberlinge haben ihre Gedanken beigesteuert, Walter Grzesiek brachte die meisten davon auch in die Hersbrucker Zeitung. Hinter jedem Artikel steht ganz klein "Kommentare," einfach draufklicken und Kommentieren, oder Links zu anderen interessanten Beiträgen zum Thema reinschreiben. Wer ganze Artikel veröffentlichen möchte, kann uns diese einfach per mail schicken, dann werden wir dieselben ebenfalls zur Diskussion stellen.  Wie wollen wir in Zukunft leben,welche Rolle spielt dabei die Zeit, was ist Lebensqualität, welche Bedeutung hat dabei unser Dorf, die Stadt, die Region? Eintritt 8 Euro.
Im Blog: http://nachhaltigkeit.blogs.com/nachhaltig/zeit_zu_leben/index.html
Homepage:
http://www.die-moebelmacher.de/startseite/aktuell/veranstaltungen/uwt/werkstatt-tage07.html

Natürlich ist dort auch der aktuelle Artikel aus der brandeins (das beste Wirtschaftsmagazin) im August nachzulesen. Hier:
http://nachhaltigkeit.blogs.com/nachhaltig/2007/08/brandeins_citta.html

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36_gespraech 2. Von Ugandas Rindentuch beeindruckt

Apropos Region. Wie kommen neurotische Regionalfuzzis wie die Möbelmacher auf die Idee, ihre Möbel und Fenstergestaltungen  mit Rindentuch aus Uganda zu bereichern? Regionalität heißt ja nicht unbedingt Provinzialität  und fair gehandelte handwerkliche Produkte aus Afrika sind nach unseren Erfahrungen (auch denen des 23 Jahre alten Eine Welt Vereins Cocoyoc aus Hersbruck) die sinnvollsten Beiträge für die Lebensqualität im anderen Kontinent. 

Wir hatten das Glück die Produktion und das ganze südliche(!) Land besichtigen zu dürfen und sind beeindruckt von den daran beteiligten Menschen. Bei sevenload können Sie nicht nur die Fotos und Videos der Rindentuchherstellung sehen, sondern auch von der Barkcloth-Party am Samstag Abend.

Familiekibiraflughafen800 Am Heimweg durften wir im gleichen Flugzeug eine Familie aus Birongo begleiten, deren Sohn ein paar Wochen vorher bei Familie Kreuz einen Vortrag über die geplante Gesundheitsstation hielt. Unglaublich, einige bestreiten sogar das Wort Zufall. Wer selbst eine Reise nach Uganda plant, kann uns gerne kontaktieren oder unser Reisetagebuch lesen. Gerne geben wir alle unsere Erfahrungen und Fotos an Sie weiter.

In loser Folge werden auch im Weblog einzelne Artikel zu den unterschiedlichsten Themen erscheinen, die ersten beschäftigen sich natürlich mit dem Rindentuch, zu dem wir auch eine inspirierende Sonderseite auf der homepage eingerichtet haben. Denn neben allen anderen Kriterien ist Rindentuch auch einfach ein furchtbar schöner Stoff, der auch in good old germany toll aussieht.

Rindentuchsonderseite

Blogbeitrag und Links zu den Fotos

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3. Erster Platz und Belobigung für unsere Lehrlinge


Christian Habenstein gewann mit seinem Gesellenstück den ersten Preis bei der guten Form und war gleichzeitig Jahrgangsbester, Erhard Gahl erhielt eine Belobigung für sein Gesellenstück. Is doch immer wieder schee. Den beiden alles Gute für die Zukunft.

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4. Bioerlebnistage und Grüne Lust

Ausnahmsweise sind wir diesmal nicht auf der grünen Lust, weil dort eine super Modenschau stattfindet und wir die Models nicht zum Schlemmen verführen sollen. Trotzdem laden wir sie heftig dazu ein, denn die grüne Lust ist immer eine Reise wert. Dafür kochen wir mit den üblichen Verdächtigen (Diana Burkel, Stefan Rottner) während der Bioerlebnistage am Hauptmarkt in Nürnberg. Wird sicher wieder ganz  lustig.  Alles über die grüne Lust vom 14. bis 16. September und den absolut sehenswerten Film über den Farmer John hier:
http://gruene-lust.de/index1.html

Alles über die Bioerlebnistage am 5. und 6. Oktober hier:
http://www.bioerlebnisnuernberg.de/

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Wünschen noch einen wunderschönen Sommer und freuen uns immer auf Ihr Kommen

Ihre Möbelmacher

 

herwig Danzer

Apropos Sommer, der Winter kommt. Den einzigen Ski mit fränkischem Apfelbaum finden Sie hier:
http://www.die-moebelmacher.de/startseite/produkte/holzski.html
Die aktuellen Sofa- und Sesselangebote hier:
http://www.die-moebelmacher.de/startseite/produkte/sonderangebote/jori15aktion.html
http://www.die-moebelmacher.de/startseite/produkte/sonderangebote/sofaaktion.html

 

Sollten Sie keine Mails mehr von uns wollen, mailen Sie einfach an

mailto:abbestellen@die-moebelmacher.de

Anregungen und Kommentare:
mailto:herwig.danzer@die-moebelmacher.de
website:  http://www.die-moebelmacher.de
weblog: http://nachhaltigkeit.blogs.com/
Unterkrumbach 39
91241  Kirchensittenbach
09151 - 862 999
Geschäftsführer: herwig Danzer und Gunther Münzenberg
Amtsgericht Nürnberg HRB 14700

14. August 07

Von Fast Food zur Cittaslow

von Anselm Stieber

 

Das Jahr 1971, Anselmsteiber600genauer der 12. Dezember dieses Jahres markiert in der kulturellen Entwicklung unseres Landes einen Knick, eine deutliche und daher bemerkenswerte Zäsur. An diesem Tag eröffnete in Deutschland das erste Restaurant der amerikanischen Fast-Food-Kette McDonalds. Die Idee, dass das, was uns im wahrsten Sinne des Wortes am Leben erhält, das Essen nämlich, wie ein Produktionsvorgang rationalisiert, vereinfacht, beschleunigt und verbilligt werden kann, war Wirklichkeit geworden. Auf breiter Front begann sich die Vorstellung durchzusetzen, dass es verlorene, ja vergeudete Zeit ist, sich mit Nahrungsmitteln, ihrer Qualität und Herkunft oder gar den Raffinessen ihrer Zubereitung zu beschäftigen. Zwei Zahlen belegen den Erfolg dieser Idee. 1989 übersprang der Umsatz von McDonald Deutschland die Milliardengrenze und 1999 wurde das 1000 Restaurant dieser Kette eröffnet.

Offensichtlich eine Erfolgsstory, die sich auf vielfältige Weise fortgesetzt hat. Von ihr profitiert heute ein Großteil der Industrie, die um die Ernährung der Bevölkerung besorgt ist. Doch mittlerweile fragen sich manche, wer denn dabei nachhaltig gewonnen hat, außer natürlich McDonalds & Co., und wer vielleicht draufzahlt, wer der Verlierer dieser Entwicklung ist.

Man muss nicht die Menüvorschläge der Köche Ludwigs XIV studieren, um zu verstehen, dass es eine Esskultur gibt, und dass, wer wirklich gut leben will, einfach Zeit haben muss, eben "ZEIT zu leben". Dabei geht es nicht um den schmalen Mittelweg zwischen gierigem Schlingen und asketischem Fasten. Es geht um Verfeinerung, um Kennerschaft und Unterscheidungsvermögen, also um Kultur. Und das ist im Eiltempo nicht zu haben. Etwas überspitzt kann man sagen, dass der eigentliche Luxus von Kultur, also auch der Esskultur, das Zeithaben ist.

Kultur1508lo030807 Was hier der Einfachheit halber auf die Geschäftsidee von McDonalds verengt wird, ist auf breiter Front ein fundamentaler und erfolgreicher Angriff auf einen zentralen Teil der abendländischen Kultur. Um die Frage nach den Verlierern wieder aufzugreifen: die vermeintliche Verbilligung und Beschleunigung bedeuten de facto einen Verlust an Lebensqualität. Der Niveauverlust ist doppelt, wir gewinnen nicht einmal Zeit.

Es ist kein Zufall, dass in einem Land, das sich seiner schmackhaften und gesunden Küche wegen schon immer großer Wertschätzung erfreute, das alte Kulturland Italien also, dass sich dort Widerstand regte und zu organisieren begann. Dem Fast-Food-Gedanken der grell designten, industrialisierten Popkultur der neuen Ernährung, die sich zwanglos in die endlose Reihe der anderen seichten Unterhaltungsangebote der Spaßgesellschaft einfügt, wurde die Idee des „slow“-Food entgegengesetzt. Das war 1991 in Orvieto. Zugegeben, der Begriff klingt nicht originell. Es bedeutet der Wandel von „schnell“ zu „langsam“ beim oberflächlichen Betrachten noch kein qualitativer Sprung. Auch verwenden wir in beiden Fällen Amerikanismen, die nicht so recht zu unserem Kulturverständnis passen wollen. Doch warum nicht den Gegner auch in diesem Fall mit den eigenen Waffen schlagen? Dass hier die Frage der Qualität im Vordergrund steht, und zwar als Lebensqualität, zeigt sich spätestens in der Erweiterung des Gedankens, kleine Städte in das Konzept einzubeziehen. Das war 1999. Unter dem Label der Schnecke hatten damals engagierte Bürgermeister einiger italien